5. – 13. Schuljahr
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Elke Diehl/Jens Tuider (Hrsg.):
Haben Tiere Rechte? Aspekte und Dimensionen der Mensch-Tier-Beziehung.
412 S., bpb Bonn 2019 (gegen eine Versandkostenpauschale nur über die bpb zu beziehen)
Mit dem »animal turn« und der Etablierung der »Human-Animal Studies« sind Tiere nicht nur ein Thema der Kultur- und Rechtswissenschaften geworden, sondern auch und gerade der Philosophie und Ethik. Themen der Angewandten Ethik spielen im Philosophie- und Ethikunterricht eine wichtige Rolle, und damit auch unser Umgang mit Tieren. Der Band »Haben Tiere Rechte?« offeriert einen breiten Überblick über die in den verschiedenen Disziplinen, für die Tiere Thema sind, diskutierten Fragen und Antworten.
Der Band mit seinen 34 Beiträgen (einschließlich eines kurzen »Prologs«) ist interdisziplinär angelegt und konzentriert sich auf Nutztiere. Philosophen (etwa Markus Wild, Johann S. Ach und Ursula Wolf) kommen ebenso zu Wort wie z.B. Juristen, Veterinärmediziner, Verhaltensforscher, Agrar-, Ernährungs- und Politikwissenschaftler. Mehrere Autoren kommen als Wissenschaftler wie als Verbandsvertreter zu Wort, und insgesamt lassen die Autoren keinen Zweifel an der Antwort auf die Titelfrage »Haben Tiere Rechte?« aufkommen sie haben Rechte, die Autoren hinterfragen unseren Umgang mit Nutztieren kritisch ebenso wie Ernährungsweisen, die stark auf tierische Nahrungsmittel setzen. Das macht die Beiträge jedoch nicht zu einseitig Position beziehenden Ausführungen. Die Argumente für mehr Tierschutz, für Tierrechte, für eine nicht auf tierischen Produkten basierende Ernährungsweise werden in all ihrer Komplexität dargelegt und entwickelt, die Auseinandersetzung mit Gegenargumenten und -positionen wird nicht gemieden, der Leser wird letztendlich angehalten, sich selbst zu positionieren.
Im ersten Teil wird in zehn Beiträgen aus historischer, rechtlicher und philosophisch-ethischer Perspektive das Mensch-Tier-Verhältnis als historisch bzw. kulturell gewordenes betrachtet und die ambivalente Rechtsstellung von Tieren wird herausgearbeitet. Ebenso werden Unterschiede zwischen »Tierschutz«, »Tierrechten« und »Tierbefreiung« dargelegt und wirkungsmächtige Positionen der Tierethik werden skizziert.
Der zweite und umfangreichste Teil des Bandes (17 Beiträge) widmet sich dann konkreten Feldern von Tierschutz- und Tierrechtsfragen. Die Intensivhaltung von Tieren, der damit verbundene Fleischkonsum, die vor dem Hintergrund viel diskutierte Agrarwende kommen ebenso zur Sprache wie Tierversuche, die Jagd von Tieren und die Zoohaltung die drei letzten Themen werden explizit »kontrovers« behandelt, d.h. Gegner wie Befürworter kommen jeweils zu Wort. Die Beiträge des zweiten Teils sind auch darum lesenswert, weil sie nicht nur entsprechende Argumente entwickeln, sondern auch wichtige Fakten und Zahlen liefern (etwa zur Intensivtierhaltung und zum Fleischkonsum). Kurze Exkurse (z.B. zum Antibiotikaeinsatz, zur »Gastrosophie«, einer »Ethik des Essens«) bereichern den zweiten Teil zudem.
Der dritte Teil fällt mit sechs Beiträgen (einschließlich eines »Epilogs« zum Mensch-Tier-Verhältnis als »politisches Verhältnis«) kürzer aus. Er nimmt sich aktueller wissenschaftlicher Zugänge zum Mensch-Tier-Verhältnis an. So gibt es Beiträge zu den »Human-Animal Studies« (HAS), zum »Animal Mainstreaming« (zu verstehen analog zum »Gender Mainstreaming«), zu Erkenntnissen der Verhaltensforschung und zu aus dem Anthropozentrismus sich ergebenden Problemen (einschließlich der Frage, wie über Tiere gesprochen wird).
Der vierte Teil enthält schließlich ein kommentiertes Literaturverzeichnis, verzeichnet nützliche Internetadressen und staatliche und wissenschaftliche Institutionen, die Informationen zum Thema bereithalten. Auch dieser Teil zeigt, dass trotz recht eindeutiger Positionierung der Band nicht als einseitig betrachtet werden kann. Abgesehen davon stellt dieser Teil eine gut nutzbare Ressource für die Vorbereitung von...

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