8. – 10. Schuljahr

Steve Cutts: MAN

Ethik im KURZFilm
Ein kritischer Kurzfilm über Naturethik und Naturverständnisse für die Mittelstufe
Der Kurzfilm »MAN«1 von Steve Cutts aus dem Jahr 2012 hinterlässt bereits nach dem erstmaligen Anschauen sicherlich ein ungutes Gefühl. In ihm wird die Entwicklung des Menschen im Umgang mit seiner Umwelt gezeigt und wie er sie prozesshaft zerstört, instrumentalisiert und schließlich pervertiert. Vor dem Hintergrund der heutigen Debatten um den Klimawandel ist dieses Thema damit nicht nur allgegenwärtig, sondern vor allem auch ethisch relevant. Darüber hinaus überzeugt der Film durch kleine visuelle wie auditive Details eine perfide Inszenierung, die zum Nachdenken anregt und Diskutieren einlädt. Wie könnte man nun auch den Schülerinnen und Schülern einen guten Zugang zum Film verschaffen und wie ließe er sich unterrichtstheoretisch verordnen?
Der Mensch Jäger und Sammler?! Kurze Vorstellung des Kurzfilms
In dem Film wird die menschengeschichtliche Entwicklung des Naturverhältnisses sowie der Umwelt- und Naturbeherrschung in überspitzter und erschreckender Weise dargestellt. Schon mit seinen ersten Schritten lernt der Mensch, hier exemplifiziert durch einen Mann als Protagonisten, dass er sich seiner Umwelt bedienen, dass er gar die Natur um sich herum nach seinem Willen beeinflussen kann. Durch den Film zieht sich damit eine Wandlung und ein Lernprozess von der bewussten Instrumentalisierung natürlichen Lebens zur Beherrschung und Vernichtung, worauf der Mann, sich der Einfachheit erfreuend, durchgehend mit Jubelgesten reagiert.
Im Verlauf des Filmes werden dabei verschiedene Naturschauplätze gezeigt, unterworfen und zerstört, was dann in dem Bauen riesiger, überfüllter Städte, Industrien und Schlachthöfen endet. In diesem Schritt wird die Pervertierung der Natur sinnbildlich durch die Verdinglichung, industrielle Verarbeitung und gentechnische Manipulation von ausdruckslosen Massen von Tieren. Der Mann triumphiert gegen Ende des Films auf einem Berg von Schrott als Herrscher über die Natur, unfähig, seine Schandtaten zu reflektieren, während die Welt in Chaos und Umweltkatastrophen versinkt. Doch findet auch der Naturbezwinger am Ende sein Limit im Übermenschlichen in der Form von gelandeten Aliens. Während in der Popkultur Menschen die Erde meist vor Außerirdischen retten, ist dieses Bild hier umgekehrt worden, sollte denn die dystopische Welt noch reversibel zu retten sein.
Theoretische Einordnung der Handlung
Der Handlung des Films liegt ein genuines Naturverständnis zugrunde, welches das Fundament für die unhinterfragte Beherrschung und Vernichtung der Umwelt des Protagonisten bildet. Diese sogenannte Rationalisierung und Mechanisierung der Natur geht auf Francis Bacon sowie den Beginn der wissenschaftlichen Revolution zurück und muss als Prozess verstanden werden, der ideengeschichtlich schon auf die Antike zurückgeht und bis heute andauert. Während etwa Autoren wie Jean-Jacques Rousseau auch bereits in Zeiten der Aufklärung Kritik an der Naturbeherrschung und vor allem an der Entfremdung des Menschen von der Natur übten2, werden diese im Film auf die Spitze getrieben: Es ist eben jene Entfremdung, durch empathielose Rationalität begünstigt, die zum grenzen- und bedenkenlosen Bedienen führt.
Insbesondere in Diskussionen um den anthropogenen Klimawandel trifft der Film damit den heutigen Zeitgeist. Denn auch wenn im Film die Prozesse vereinfachend und ausufernd inszeniert wurden, kann das menschliche Handeln hinsichtlich seines Verhaltens gegenüber der Natur nicht nur für die Vergangenheit, sondern vor allem auch für die Zukunft thematisiert werden. Es stellen sich Fragen, die das Individuum selbst in Verantwortung ziehen und Debatten sowie Anregungen für Handlungsalternativen aufzeigen. Etwa im Kontext des Earth Overshoot Days, der den Ressourcenverbrauch und die Auswirkungen menschlichen Han-delns auf die Umwelt gemessen auf ein Jahr anzeigt3, könnte man...

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