10. – 13. Schuljahr

Ethik und Philosophie im Kurzfilm

Alike

Der animierte Kurzfilm Alike1 von Daniel Martínez Lara und Rafa Cano Méndez zeigt in eindrucksvoller Weise Kritik an der arbeitsdominierten Gesellschaft auf, in der die Menschen Lebensqualität und Genuss aufgeben, um in das System zu passen.
Das Problem des tristen Alltags und Angepasst-Sein-Müssens ist heutzutage in einer immer schneller werdenden Gesellschaft mit immer weniger Zeit so aktuell wie nie zuvor. So fragen sich Jugendliche, wo das Leben zwischen Schule, Ausbildung, Beruf und Rente bleibt. Der Film nimmt das Motiv des Zeitmangels und der »grauen Männer« aus Michael Endes Momo (1973) auf, was eine fächerübergreifende Arbeit mit dem Fach Deutsch ermöglicht.
Die Geschichte
Es geht um den Vater Copy und seinen Sohn Paste und ihre Entwicklung in einer Gesellschaft, die auf Leistung setzt und metaphorisch von Freude verblasst ist. Der Vater, in blauer Farbe inszeniert, und sein Sohn, orange dargestellt, durchleben jeden Tag den gleichen Alltag, geprägt von Schule und Arbeit in einer akkurat anmutenden, graubraunen, verblassten Stadt, in der angepasste, in Grau dargestellte Personen in Anzügen und mit Aktenkoffern vorbeiströmen.
Mitten in der Stadt befindet sich ein Farbfleck: eine grüne Grasinsel mit einem Baum und einer Bank. Auf dieser Insel steht ein Geigenspieler, der sich wider des schnellen Alltags der Musik widmet. Während die anderen grauen Leute vorbeilaufen, lauscht Paste interessiert der Musik bis sein Vater ihn zum Weiterlaufen bewegt.
An der Kreuzung zwischen Schule und Arbeitsplatz trennen sich Vater und Sohn. Obwohl Paste viel lieber den Geiger unter dem Baum zeichnen will, soll er in der Schule stupide Buchstaben abschreiben. Copy arbeitet indes im Großraumbüro mehrere Stapel Papier ab. Dabei verblasst er nach und nach: Mit fortlaufender Arbeitszeit wird er immer ermüdeteter und gebeugter dargestellt und ähnelt allen anderen Beschäftigten, die im gleichen Takt die Schreibmaschine betätigen. Zu Feierabend verlässt er freudig das Gebäude, um Paste zu empfangen. Dieser ist – im Gegensatz zu den anderen bereits angepassten Kindern noch voller Farbe und umarmt seinen Vater. Mit der Umarmung gewinnt der Vater seine Farbe zurück.
Die weiteren Szenen zeigen die gleiche Routine. Es vollzieht sich jedoch ein Wandel im anfangs lebensfrohen und kreativen Paste, der immer grauer und unzufriedener wird. Die Strukturen und Erwartungen sowie das Anpassen an die Ideale der Gesellschaft machen ihm zu schaffen.
Als Pastes kindliche Freude, Freiheit und Kreativität zu schwinden drohen und dieser zunehmend verblasst und gleichgemacht (»alike«) wird, zieht Copy die Notbremse: Er führt Paste zur grünen Insel, um den Geiger zu beobachten. Dieser ist jedoch nicht mehr da. Als Paste traurig weggehen will, tritt der Vater auf die grüne Insel, stellt seinen Aktenkoffer ab und beginnt, eine imaginäre Geige zu spielen. Der Sohn erblickt dies freudig und beide gewinnen ihre Farben zurück. Während sie sich umarmen, geht der triste Alltag für die anderen grauen Personen um sie herum weiter.
Konformität versus Individualität
In seiner Umsetzung kommt der Film gänzlich ohne Worte aus. Die Narration vollzieht sich allein durch die Abfolge von Bildern und eindrucksvollen Motiven. Insbesondere das Motiv der sich verändernden Farbintensivität der Protagonisten und der Umwelt transportieren die Kraft und die Lebensqualität der Personen. Dabei zeigt die Verblassung ihrer Farben ihre zunehmende Erschöpfung.
Die Namen Copy und Paste deuten darauf hin, dass die Menschen durch Erziehung und das Durchlaufen des Schulsystems an ihre beruflichen Anforderungen in der Gesellschaft angepasst und damit homogener gemacht werden sollen. Die zunehmende Vergrauung der Farben untermalt dies.
Der Kurzfilm will zeigen, dass neben Schule und Beruf entgegengesetzt den Idealen und Erwartungen einer auf Arbeit ausgerichteten Gesellschaft auch Individualität, Kreativität und...

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