8. – 13. Schuljahr

Simon Mayer

Ich und mein Super-Ich

Mit der Graphic Novel Ms. Marvel Fragen nach Identität, Transkulturalität und Körperidealen reflektieren

Wer bin ich und wer will ich sein? Diese Fragen stellt sich Kamala Khan, die 16-jährige Tochter pakistanischer Einwanderer, in der Graphic Novel Ms. Marvel. Es handelt sich um eine sogenannte Originstory, die erzählt, wie Kamala zu ihren Superkräften kommt und zur Heldin wird. Diese Unterrichtseinheit arbeitet mit dem Comic als Ganzschrift und beschäftigt sich mit den Fragen nach Identität, Körperidealen und Transkulturalität.

Anders als in traditionellen Gesellschaften stellt sich die Frage nach der Identität für in unserer modernen, offenen Gesellschaft lebende Jugendliche mit besonderer Dringlichkeit. Um sich eine glückliche Identität aufzubauen, müssen sie ein positives Verhältnis zu ihrem sich wandelnden Körper entwickeln, unterschiedliche Formen der Zugehörigkeit ausloten, in divergierenden Normen- und Wertesystemen navigieren und vieles mehr. Angesichts dieser umfangreichen und komplexen Aufgabe betont der Psychologe Erik H. Erikson, wie wichtig ein »psychosoziales Moratorium« für Jugendliche ist  – eine Zeit, in der sie, ohne eine Erwachsenenrolle übernehmen zu müssen, mit ihrer Identität experimentieren können. Sie können neue körperliche Erscheinungen (z.B. Kleidungsstile, Frisuren, die Wirkung von Diäten), verschiedene Gruppenzugehörigkeiten (z.B. Vereine, Cliquen und Freundeskreise) und neue Ansichten (z.B. politische, religiöse, moralische) ausprobieren.
Zum Comic
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G. Willow Wilson, Adrian Alphona
Ms. Marvel 1: Meta-Morphose
Stuttgart: Panini Verlags GmbH 2015
124 Seiten, 16,99 €
ab 14 Jahren
Dieses Buch veranschaulicht in Bild und Text deutlich, wie und wo Müll weiterverarbeitet wird, weshalb wir Müll in Massen produzieren und ab wann er zum Umweltproblem wird. Es zeigt zudem Handlungsmöglichkeiten für Klein und Groß auf.
Anknüpfung an den Unterricht: Identität
actual self and possible self
Neben dem Wissen darüber, wer man gegenwärtig ist (actual self), spielen sogenannte »mögliche Selbste« (possible selfs) eine entscheidende Rolle bei der Suche nach Identität. Unter einem möglichen Selbst versteht man Alternativ- und Zukunftsentwürfe der eigenen Person. Psychologen haben festgestellt, dass viele Menschen und gerade auch Jugendliche heute das Internet nutzen, um in Identitätsexperimenten mögliche Selbste zu entwerfen. In einer Studie1 gaben 72 Prozent der 9- bis 12-Jährigen an, sich im Internet schon als jemand anderes ausgegeben zu haben, und immerhin noch 53 Prozent der 13- bis 14-Jährigen. Gefragt nach ihren Motiven gaben die meisten an, dass sie wissen wollten, wie es ist, ein anderer zu sein, und wie andere auf sie reagieren würden, wenn sie jemand anderer wären.
Ein Vorteil der online durchgeführten Identitätsexperimente gegenüber der Offline-Variante ist, dass zunächst keine negativen Konsequenzen für die unmittelbare Lebenswelt der Jugendlichen zu befürchten sind. Genau das ermöglicht auch, dass die Jugendlichen bereit sind, mehr von ihrem (möglichen) Selbst zu zeigen, als sie es ohne den Schutz der Anonymität des Internets tun würden. Ethisch bedenklich ist allerdings, dass bei diesen Identitätsexperimenten andere Personen bewusst getäuscht werden.
Wer bin ich als Superheld?
Die dieser Einheit zugrunde liegende Lernaufgabe ermöglicht es bis zu einem gewissen Grad, die Vorteile von Identitätsexperimenten auszunutzen, ohne dabei ethisch bedenklich zu sein. Nach der Lektüre des gesamten Comics werden die Schülerinnen und Schüler mit einem Gedankenexperiment konfrontiert, indem sie eine (un)mögliche Super-Identität mit Superkräften, Outfit und Mission entwerfen sollen (M1 ).
Dadurch, dass die Basis des Gedankenexperimentes offensichtlich kontrafaktisch ist, sind die Schülerinnen und Schüler bereit, mehr von ihrem (möglichen) Selbst zu offenbaren, wodurch es interpersonaler Reflexion zugänglich wird, ohne dass...

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