5. – 13. Schuljahr

Nora Burtscheid, Simon Mayer, Josephine Perner, Elisabeth Schneider, Alena Völzel

Lang schwimme das Plastik

Plastikkonsum reflektieren und Handlungsstrategien im Umgang mit Plastik entwickeln

Dass die Entsorgung von Müll nicht einfach mit dem Wegwerfen in die Mülltonne erledigt ist, darüber machen sich wenig Menschen Gedanken. Erst wenn einem das Müllproblem buchstäblich vor Augen geführt wird, beginnt das Nachdenken. Ausgehend vom Sachbilderbuch »Müll alles über die lästigste Sache der Welt« setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit Fragen zum Thema Plastikmüll auseinander: Was ist Recycling? Ist jeder Müll gleich schlimm? Was können wir gegen die schädlichen Folgen von Plastikmüll tun?

Seitdem 1907 Kunststoff von Leo Baekeland auf den Markt gebracht und durch weitere Wissenschaftler perfektioniert wurde, umgibt es uns überall.1 Selbst einige Philosophen huldigen dem Plastik: Für Roland Barthes beispielsweise ist Plastik »nicht nur eine Substanz, es ist die Idee ihrer unendlichen Transformation«2, weil man nahezu alles von Autokarosserien, über Stoffe bis zum Papier daraus herstellen könne.
Eine kleine Geschichte des Plastiks
Firmengründer Earl Silas Tupper nutzte als Erster die Möglichkeiten, die Plastik bietet: Es ist unzerbrechlich, flexibel, leicht und einfach herzustellen, beliebig einzufärben, unempfindlich, weitgehend geschmacks- sowie geruchsneutral, kostengünstig und langlebig. Das Material erweist sich als praktisch und vielseitig einsetzbar, es galt schon damals als das Material der Zukunft.3
Neben der Tupperware fand die chemische Industrie in den 1950er-Jahren jedoch eine weitere Verwendung für Kunststoff, welche die Menschen weitaus nachhaltiger betreffen würde: die Verpackung aus Plastik für Gemüse, Fleisch, Joghurt oder Süßigkeiten. Es fand sich danach kaum ein Lebensmittel mehr, das von Plastik unberührt blieb. Dadurch, dass in Supermarktketten nun Lebensmittelkomplettangebote durch das Selbstbedienungsprinzip zu erwerben waren, wurde die Verbreitung von Plastikverpackung angetrieben. Zudem sollten die Lebensmittel innerhalb ihrer Verpackung für den Konsumenten sichtbar bleiben, während die Hersteller ihren Markennamen im Konkurrenzkampf auf die Produkte stempeln können  – was nun mit einer Plastikverpackung möglich war.4
Ab diesem Zeitpunkt fand eine Umerziehung in den Köpfen der Leute statt. Diese waren bis dato daran gewöhnt, Plastikprodukte als haltbar und unzerstörbar anzusehen. Nun sollten sie sich an das sofortige und gedankenlose Wegwerfen ihrer Verpackungen gewöhnen was schnell geschah und kurze Zeit später die durch Plastik verursachten Umweltprobleme zutage brachte.5
Da es aus finanzieller Sicht keine Bedenken bereitete, Plastik wegzuschmeißen, entwickelte sich Plastik zu dem idealen Material für die Kultur der schnellen Konsumption. Wo zuvor noch versucht wurde, teure, durch Handarbeit hervorgebrachte Einzelstücke wieder zu reparieren, erscheinen nun mit dem Siegeszug des Plastiks schon simple Ausbesserungsarbeiten als unwirtschaftlich. Durch den Abtransport von Müll wird das konsumorientierte Verhalten der Menschen weiter angetrieben. Dieses Phänomen wird mit dem Kunstwort »Nimby« (steht für »not in my backyard«) betitelt: Die Menschen verhalten sich auf die eigenen Vorteile bedacht, ungeachtet möglicher negativer Konsequenzen. Sollten welche auftauchen, so geschieht die Lösung doch bitte »nicht im eigenen Hinterhof«. Die Nebenprodukte des Konsumierens werden durch den regelmäßigen Abtransport also unsichtbar und inexistent.6
Plastik heute: ein Umweltproblem
Aber »Abgesehen von der kleinen Menge, die verbrannt wurde und es ist eine sehr kleine Menge gibt es jedes Stück Plastik, das jemals hergestellt wurde, immer noch«, stellte Captain Charles Moore fest, der 1997 eine von mittlerweile fünf Plastikmüllinseln entdeckte.7 Da die Aufnahmekapazität unserer Weltmeere für Müll lange Zeit als unendlich galt8, treibt heutzutage nahezu alles an uns...

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