5. – 13. Schuljahr

Jörg Peters

Mit Wort und Bild philosophieren

Gehören Bilderbücher und Comics in den Philosophie- und Ethikunterricht?

Bilderbücher und Comics umfassen zahlreiche Genres und bieten durch die Wort-Bild-Kombination neue Wege der Narration. Dieses Zusammenspiel nutzen Zeichner und Autoren, um komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen. Weshalb Comic und Bilderbuch einen Stellenwert für den Ethik- und Philosophieunterricht haben, welche Werke sich eignen und welche Chancen sich durch sie auftun, erörtert dieser Beitrag.

Als die Frage an mich herangetragen wurde, ob Bilderbücher im Philosophie- oder Ethikunterricht der Sekundarstufen I und II eingesetzt werden könnten, war ich spontan geneigt, sie mit einem klaren Nein zu beantworten. Je länger ich aber darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass sich diese Frage gar nicht so einfach beantworten lässt. Zunächst muss nämlich geklärt werden, welche Art von Bilderbüchern für den unterrichtlichen Einsatz überhaupt in Betracht kommen, ob diese dann wirklich zu einer Auseinandersetzung mit einer philosophischen Frage oder einem philosophischen Problem beitragen und für welche Lerngruppen der Einsatz von Bilderbüchern im Unterricht von Vorteil sein könnte.
Generelle Anmerkungen zum Bilderbuch
Unter einem Bilderbuch versteht man ein Buch, das hauptsächlich Bilder enthält, das in die Kategorie der Kinderliteratur einzuordnen ist und das häufig nicht mehr als 30 Seiten umfasst. Eine umfassende Definition des Bilderbuches ist kaum zu leisten, weil sie von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist, wie etwa von den jeweiligen gesellschaftlichen Vorstellungen oder von der Beurteilung der Frage, in welchem Verhältnis Bild und Text zueinander stehen.
Bilderbücher richten sich eigentlich zunächst an Kinder, die noch nicht lesen können, oder an Erstleser. Allerdings werden Bilderbücher auch mehr und mehr von Erwachsenen rezipiert. Thiele zufolge lässt sich das Interesse der Erwachsenen am Bilderbuch darauf zurückführen, dass das Bilderbuch heute Teil einer veränderten, vor allem durch audiovisuelle Medien geprägten Kultur ist: »Es ist eingebunden in die kulturellen Entwicklungen und Veränderungen durch Film, Fernsehen und Computer, es reagiert auf mediale Bildsprachen und offene Erzählkonzepte.«1 Das hat zur Folge, dass immer mehr Themen der Erwachsenenwelt aufgegriffen und Bilderbücher immer komplexer und anspruchsvoller werden.2
Will man das moderne Bilderbuch kategorisieren, so wird zwischen »erzählendem Bilderbuch«, »Märchenbilderbuch«, »Sachbilderbuch« und »Spielbilderbuch« unterschieden.3 Neben den zum Tragen kommenden unterschiedlichen künstlerischen Stilen man denke beispielsweise an Graphik, Malerei, Fotorealismus, Collage oder Karikatur muss noch ein Blick auf den Text geworfen werden, denn Bild und Text können auf drei unterschiedliche Weisen miteinander in Verbindung stehen4:
  • Bild und Text verlaufen parallel und nehmen aufeinander Bezug, sodass sie zusammen harmonisch eine Geschichte erzählen.
  • Bild und Text verhalten sich kontrapunktisch, weil sie offensichtlich nicht zusammenpassen, sondern absichtlich gegeneinander gesetzt werden, um auf diese Weise Komik zu erzielen oder Irritationen auszulösen.
  • Bild und Text sind wie ein Zopf miteinander verflochten. Die Handlung wird in diesem Fall mal über die Bildgeschichte, mal über die Textgeschichte vorangetrieben. Die Verflechtung bedingt, dass ein einzelner Strang allein nicht die ganze Geschichte erzählen kann, sondern dies nur im Wechselspiel von Bild und Text möglich ist.5
Die Bedeutung des Bilderbuchs für den Philosophie- und Ethikunterricht
Um die Inhalte in den ethisch-philosophischen Fächern der Sekundarstufe I erfolgreich vermitteln zu können, ist es geradezu selbstverständlich, nicht alle Schülerinnen und Schüler mit Materialien gleichen Schwierigkeitsgrades zu konfrontieren. Im Zeitalter der individuellen Förderung erhalten sie im Unterricht ja schon seit geraumer Zeit...

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