5. – 13. Schuljahr

Anne-Kathrin Meinhardt

Der Klassenrat

Einen Klassenrat vorbereiten, durchführen und etablieren

Klassenraumgestaltung, Feiern, Umgang miteinander der Klassenrat dient als feste Einrichtung einer Klasse, um eben solche und viele weitere Themen zu diskutieren sowie Entscheidungen zu treffen. Indem die Schülerinnen und Schüler regelmäßig tagen, können das Klassenklima verbessert und Debatten über fachfremde Inhalte aus dem Fachunterricht ferngehalten werden.

Die Sitzordnung wurde durch die Lehrkraft vor kurzem geändert und seitdem gibt es wiederholend Diskussion, weil sich einige Schülerinnen und Schüler nicht gerecht behandelt fühlen, andere die Tischstellung nicht mögen, wiederum andere das Entscheidungssystem kritisieren und der vierte Teil der Jugendlichen eigentlich zufrieden ist. Regelmäßig zu Beginn der Stunde wird das Problem thematisiert. Sie als Lehrkraft sehen die Zeit für den Fachunterricht schwinden, die Schülerinnen und Schüler sind unzufrieden und das Klassenklima leidet.
Abhilfe kann der Klassenrat schaffen. In Form eines Plakates haben die Schülerinnen und Schüler eine Woche lang Zeit, ihren Unmut aber auch ihr Lob zu verschriftlichen. Einmal in der Woche an einem festen Termin im Stundenplan trifft sich dann die gesamte Klasse, um die aufgeschriebenen Themen zu besprechen und eine Lösung zu finden. Die Lehrkraft tritt dabei von der Leitungsposition zurück. Sie nimmt zwar teil, aber die Schülerinnen und Schüler übernehmen selbst die Durchführung. Das Prozedere wiederholt sich Woche für Woche, Protokolle verstetigen das Besprochene und dienen in der Woche darauf als Kontrollvorlage. So können die Schülerinnen und Schüler das Problem der Sitzordnung diskutieren, unterschiedliche Sichtweisen verdeutlichen und als gesamte Gruppe zu einer Lösung kommen. In der Regel wird diese Entscheidung allein aufgrund der Tatsache, dass sie aus der Gruppe heraus entstanden ist, besser akzeptiert als eine Vorgabe der Lehrkraft.
Der Klassenrat »ist [somit] das demokratische Forum einer Klasse«1, das sich als Gesprächsrunde einmal wöchentlich trifft, um selbstgewählte Themen zu behandeln. Feste Regeln mit unterschiedlichen Rollen und einem genauen Ablaufplan strukturieren die Arbeit. Im Mittelpunkt der Struktur steht dabei die Ritualisierung, die es den Schülerinnen und Schülern erleichtert, eigenständig den Klassenrat durchzuführen. Diese Selbstständigkeit der Lernenden ist zentral, sollen sie doch autonom partizipieren und gestalten.
Relevanz2
Zu einer Demokratie, wie sie in Deutschland existiert, gehört Teilhabe. Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit bekommen, in demokratischen Prozessen zu partizipieren, ihre Meinung zu vertreten, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und zu diskutieren. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten, von diesem Recht Gebrauch zu machen, müssen erlernt werden und bedürfen regelmäßiger Anwendung, da eine Urteilsbildung, Meinungspositionierung oder ähnliches nicht ohne Schwierigkeiten zu verwenden sind. Je früher diese Fähigkeiten und Fertigkeiten geschult werden, desto eher verstetigen sie sich.
Kinder und Jugendlichen können und sollen daher in der Schule lernen, zu partizipieren, d.h. Entscheidungen abwägen, besprechen und treffen. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, Teile ihres Schulalltags mitzubestimmen, Vor- und Nachteile zu reflektieren und in der Gruppe eine Lösung zu finden. Im Rahmen eines Klassenrates sind diese Forderungen realisierbar. Sie haben vielfach die 1992 ratifizierte Kinderrechtskonvention als Grundlage3, ist schließlich dort unter anderem das Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung der Kinder festgeschrieben.4
Der Nutzen eines Klassenrates lässt sich in drei Ebenen gliedern: die politische, die soziale und die personale Ebene5. Politisch bedeutet der Klassenrat in erster Linie die Entwicklung der Demokratiefähigkeit. »Partizipation impliziert den Abbau von Macht und die Verteilung von Verantwortung.«6 In sozialer Hinsicht...

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