1. – 13. Schuljahr

Ethik & Philosophie im Song

Deutsch-Rap gegen Rechts

Es ist kurz vor der Bundestagswahl im September 2017. Die Band OK Kid veröffentlicht ihre Single Warten auf den starken Mann und positioniert sich so gegen Rechts. Mit Aussagen wie »Das Dorf, in dem ich wohne, ist zwar malerisch, doch nicht wenn man die Farben mischt« räsonieren die drei jungen Gießener über Rassismus, Nationalismus und die Sehnsucht nach dem Gruppenzugehörigkeitsgefühl in der Krise.
Die Band spricht in ihrem Song eine Bewegung an, die sich in Deutschland gerade mit Pegida und den Reden der AfD verbreitet und damit auch die Sorge darum, wie es in Zeiten der Neuerung in Deutschland weitergeht und »wer denn nun die Lösung für alle Probleme bereithält«. Diese Angst in Teilen der Bevölkerung »hat schwarz-rot-goldene Farben an« und richtet sich vor allem gegen Fremde in Gestalt unbekannter Kulturen und Religionen.
Der Sänger der Band rappt aus der Perspektive dieser »ängstlichen« Zeitgenossen und bedient sich bei den Stilmitteln populistischer Parteien. Der Text ist allerdings ironisch zu verstehen, und schnell wird klar: OK Kid bezieht damit Stellung gegen rechte Gruppierungen und Denkweisen in Deutschland. In Zeilen wie »Ich fürchte mich, dass ein Minarett bald höher als die Kirche ist« verpacken die drei Gefühle der Angst, der Wut und der Fremdheit, die wohl erst mit dafür sorgen, dass sie überhaupt gegen rechts rappen müssen.
»Bitte gib mir ein Gefühl, ja, gib mir einfach irgendeins«
Das Musikvideo zum Song unterstützt dieses Bestreben, die Menschen aufzuwecken und ihnen zu zeigen, dass es auch anders geht. Im Film durchläuft der Zuschauer mit dem Hauptcharakter, einem blonden jungen Mann, einen Prozess der Angleichung an eine Gruppennorm. Dargestellt wird diese Gruppe durch ununterscheidbare Männer mit verklebten Augen. Doch dann kommt er, der eine, der ihm, wie im Lied so dringlichst ersehnt, »ein Gefühl gibt«. Er erscheint als Retter in der Not und verhilft ihm zur Zugehörigkeit zur Gruppe. Auch wenn diese vermeintlichen Kameraden ihn gerade niedergeschlagen haben.
In dieser Videosequenz spiegelt sich eine Verbindung zum Rechtspopulismus wider, der die Sorgen und Ängste in unsicheren Zeiten zu verstehen scheint, sie jedoch durch Hetzreden und Kampagnen tatsächlich nur weiter verstärkt. Die Band arbeitet mit Sinnbildern für die Vorgehensweise rechtspopulistischer Gruppierungen und stellt in knapp fünf Minuten erschreckend deutlich dar, was passiert, wenn man sich aus Unsicherheit an die Falschen wendet. Der Song thematisiert die Gefahr, sich gut aufgehoben und geleitet zu fühlen und still und leise zu einem Teil von denen zu werden, die dafür sorgen »dass sich Unkraut nicht vermehrt«.
Die Band OK Kid wurde bereits durch frühere Songs wie »Gute Menschen« bekannt und steht für ihre Gesellschaftskritik und Musik, die Menschen zum Denken anregen soll. »Es ging darum darzustellen, mit welchen abstrusen Argumentationsmustern Leute andere von ihrer chauvinistischen Weltanschauung überzeugen wollen«, erklärte Frontsänger Jonas Schubert bereits 2016 in einem Interview damals war »Warten auf den starken Mann« noch nicht einmal veröffentlicht. Der 2017 publizierte Song geht noch etwas weiter und versucht darüber aufzuklären, warum sich ein Teil der Deutschen von dieser »chauvinistischen Weltanschauung« überzeugen lässt.
Im Musikvideo erreicht der junge Mann schlussendlich sein Ziel, weint sich an der Schulter des mutmaßlichen Retters aus und hat es geschafft  – auch er ist blind geworden. Eine Metapher für sein blindes Vertrauen denen gegenüber, die Besserung versprechen. Oder auch für die Aufgabe des individuellen Nachdenkens über das, was man tun kann gegen seine Angst, anstatt sie in die Hände vermeintlicher Retter zu übergeben. In »Warten auf den starken Mann« singen OK Kid hauptsächlich von Gefühlen Gefühlen des Hasses, der Sorge, der Tatkraft, der Wut und der an einen anderen geknüpften Hoffnung. Denn um das Übel,...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen