9. – 13. Schuljahr

Uwe Rose

Diagnose Postdemokratie

Die Demokratie im Wandel der Zeit

Gegenwärtig sieht sich die Demokratie mit erheblichen Problemen und ernsten Bedrohungen konfrontiert. Ausgehend von der Diagnose der »Postdemokratie« (Collin Crouch) begibt sich die Unterrichtseinheit auf die Suche nach geeigneten Rezepturen zur Besserung und stößt dabei auf die klassischen Ideen der Antike und der Neuzeit. Im Rahmen eines problemorientierten Ansatzes wird ideengeschichtliches Grundwissen durch eigenständige Textarbeit erarbeitet und in einem szenischen Spiel vermittelt.

Durch die Globalisierung und einen Repräsentationsmangel sieht sich die heutige Demokratie mit großen Problemen und erheblichen Herausforderungen konfrontiert und steckt in einer Krise, wie dies z.B. der britische Politikwissenschaftler Collin Crouch in seinem Buch Post-Democracy (2004) diagnostiziert. Ausgehend von diesem Befund soll in einem problemorientierten Unterrichtsansatz nach möglichen Auswegen aus dieser Krise gesucht werden.
Dabei werden ideengeschichtliche Schlaglichter anhand von klassischen Texten zur Demokratietheorie der Antike und der Neuzeit in den Blick genommen. Ziel ist es, diese Texte nach geeigneten Mitteln zur Bewältigung der Krise zu befragen:
  • Die antike Demokratie in Athen etablierte sich als eine gegen die Tyrannis gerichtete Staatsform. Sie war eine direkte Demokratie mit den Grundsätzen der Isonomie (Rechtsgleichheit), Isokratie (gleicher Anspruch auf Herrschaft), der Annualität (Herrschaftsbegrenzung auf ein Jahr) und einem ausgeklügelten Los- und Wahlsystem. Sie wurzelte in einer spezifischen Lebensweise, die durch Freiheit, Offenheit, Toleranz sowie durch Loyalität und Respekt vor den Gesetzen geprägt gewesen ist.
  • Die moderne (oder auch liberale) Demokratie hat sich in den Vereinigten Staaten von Amerika im 18. Jahrhundert herausgebildet. Sie ist eine repräsentative Demokratie, die sich durch die Grundätze der Gewaltenteilung und der Rechtsstaatlichkeit (im Besonderen durch die Menschenrechte) auszeichnet.
Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich ideengeschichtliches Grundwissen zur Demokratie und setzen dieses problemorientiert ein. Die Ergebnisse werden nach einer intensiven Gruppenarbeit in Form eines szenischen Spiels dargestellt, welches als eine Art „Beratungsgespräch für die angeschlagene Demokratie zu inszenieren ist.
Unterrichtsverlauf
Aktivierung von Vorwissen und gemeinsame Erarbeitung
Zu Beginn der Einheit sollte das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler zum Thema Demokratie gesammelt und ein besonderes Augenmerk auf die Probleme und Schwierigkeiten gelenkt werden, denen sich die Demokratie heute gegenübersieht. Stichworte wie Parteienverdruss, Globalisierung, neuer Populismus, Fake News, Verweise auf die Selbstblockade im britischen Parlament bei den Brexit-Abstimmungen, die Diskrepanz zwischen verschiedenen Bewegungen und Projekten (wie zum Beispiel Attac, Fridays for Future) und der etablierten Politik u. v. a. sind möglich. M1 wird gemeinsam erarbeitet mit dem Ziel, die Kernprobleme der Demokratie herauszuarbeiten und eine Art ›Krankheitsbefund‹ für die Demokratie zu erstellen.
Lernaufgabe und Gruppenbildung
Die Schülerinnen und Schüler sollen in verschiedenen Gruppen ›Demokratieberatung‹ als szenisches Spiel inszenieren mit dem Ziel, die angeschlagene Demokratie zu stärken und mögliche Ratschläge und Rezepturen an die Hand zu geben: Die heutige Demokratie (als Patient, Klient oder Ratsuchender) soll dazu in ein Beratungsgespräch treten mit der antiken Demokratie und der modernen Demokratie (M2 ).
Antike und moderne Demokratie fungieren in diesem Spiel gleichsam als Arzt, Coach oder Berater. Das in Kleingruppen erworbene Wissen soll lebendig und orientiert am Modell des Beratungsgespräches vermittelt werden. Dazu sind Gruppen zu bilden, die die Texte zur antiken Demokratie sowie zur modernen Demokratie erschließen und in ein szenisches Spiel umsetzen.
Texterschließung und...

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