10. – 13. Schuljahr

Alexander Chucholowski

#fridaysforfuture

Darf man die Schule schwänzen, um unser Klima zu retten?

Weltweit gehen Schülerinnen und Schüler freitags während der Schulzeit auf die Straßen und protestieren friedlich für das Klima. Sie stehen zwischen der Schulpflicht, dem staatlichen Erziehungsauftrag und den Grundrechten auf freie Meinungsäußerung sowie auf Versammlungsfreiheit. Diese Unterrichtseinheit diskutiert, inwiefern es gerechtfertigt ist, Sanktionen gegen Fridays-Schulschwänzer zu verhängen.

Ja, ich gebe es zu, der Titel wirkt etwas pathetisch und doch ist etwas dran.1 Tausende Schüler in Deutschland und auch in anderen Ländern wie Belgien folgen dem Beispiel der schwedischen Jugendlichen Greta Thunberg. Sie versucht angesichts der Unfähigkeit der Erwachsenen, Maßnahmen durchzusetzen, die den Klimawandel stoppen und hat beschlossen, jeden Freitag die Schule zu schwänzen, um für die Klimarettung zu demonstrieren. Dafür musste sie schulische und familiäre Widerstände überwinden und erhielt internationale Aufmerksamkeit sowie zahlreiche Auszeichnungen.
In Deutschland haben sich Schüler und Schülerinnen zahlreicher Bundesländer dieser Bewegung angeschlossen und demonstrieren seitdem regelmäßig freitags in Berlin und anderen Städten während der regulären Unterrichtszeit. Damit nehmen auch sie eines der grundlegendsten demokratischen Grundrechte in Anspruch. Darüber hinaus haben sie jedoch auch etwas Weiteres geschafft, sich nämlich eigenständig politisch zu organisieren, in hunderten Ortsgruppen, dank WhatsApp und anderer digitaler Medien. So erfüllen die jugendlichen Demonstranten auf eindrucksvolle Weise eine Großzahl der von den Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer geforderten Kompetenzen. Darüber solle sich eigentlich jede Kultusverwaltung freuen.
Doch das Echo in Politik und Öffentlichkeit ist geteilt. Die einen freuen sich darüber, dass die Kinder und Jugendlichen sich politisieren und aktiv engagieren, sich für ihre Zukunft einsetzen, wenn es die Erwachsenen nicht tun2, andere halten das für albern3 oder verweisen auf die Schulpflicht.4 Schließlich könne man auch außerhalb der Schulzeit demonstrieren als Freizeitaktivität. Da ein Großteil der Jugendlichen inzwischen an Ganztagsschulen unterrichtet wird, bliebe nur das Wochenende. Ob die Demonstrationen dann allerdings das gleiche mediale Echo erzielt hätten, dieselbe öffentliche Debatte, bleibt fraglich.
Der vorliegende Beitrag will die Schülerinnen und Schüler für ihre eigene Verantwortung für die Zukunft sowie für ihre demokratischen Möglichkeiten, diese zu beeinflussen, sensibilisieren, dabei aber insbesondere auf den Konflikt zwischen dem staatlichen Erziehungsauftrag und den Grundrechten auf freie Meinungsäußerung sowie auf Versammlungsfreiheit eingehen. Letztere sind wesentliche Elemente partizipativer Demokratie, die zunehmend von Bürgern eingefordert werden, wie die Bewegung der »gilets jaunes« auf eindrückliche Weise belegt. Implizit geht es hier auch um die Frage nach einem Widerstandsrecht, bzw. Recht auf zivilen Ungehorsam gegenüber der gesetzlich verankerten Schulpflicht, wenn höhere Werte wie das Überleben der Menschheit, die Zukunft der künftigen Generationen etc. auf dem Spiel stehen. Hier scheinen in den Schulgesetzen teilweise selbst Zielkonflikte zu bestehen, insofern zwar Schulpflicht herrscht, aber die Schüler gleichzeitig zu verantwortungsbewussten, sozial handelnden demokratischen Bürgern erzogen werden sollen.
Unterrichtsverlauf
Als Hinführung zum Thema wird mit den Schülerinnen und Schülern ein kurzes Gedankenexperiment von Christian Stöcker auf Spiegel-Online durchgeführt (M1 ). Es schließt sich eine kurze Vorstellung der schwedischen Jugendlichen und Klimaaktivistin Greta Thunberg an, die die Schülerdemonstrationen mit ihrem Protest initialisiert hat (z.B. als Lehrer-/Schülervortrag, Bild, Video oder Interview). Die Schüler äußern sich zunächst dazu, wie sie Greta Thunberg finden, ob sie...

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