5. – 13. Schuljahr

Birgit Redlich

Verantwortungsübernahme in der Schule

Klassensprecherwahlen reflektieren und vorbereiten

Vertretung ist ein Grundprinzip der repräsentativen Demokratie. Dieses Grundprinzip erfahren Schülerinnen und Schüler bereits durch die Klassensprecherwahl in der Schule. In dieser Einheit reflektiert die Klasse Eigenschaften und Aufgaben von Klassensprechern und simuliert in einem Rollenspiel das Vertretungsprinzip der repräsentativen Demokratie. Dies befähigt Jugendliche langfristig das gesellschaftliche Leben aktiv mitzugestalten und staatsbürgerliche Verantwortung zu übernehmen.

Klassensprecherinnen und Klassensprecher erfüllen in der Schule wichtige Funktionen. Das Amt lässt Kinder und Jugendliche an relevanten Prozessen teilhaben, die ihr eigenes Leben betreffen: Sie dürfen beispielsweise ihre und die Interessen ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen vor der Lehrkraft, anderen Klassen und vor der Schule vertreten. Bereits im Schulgesetz ist verankert, dass die Schülerschaft in Umwandlungsprozesse der Schule miteinbezogen werden muss. Deshalb sind gewählte Schülerinnen und Schüler auch Teil der Gesamtkonferenz, der Fachkonferenzen, der Klassenkonferenzen und des Schulvorstandes, und was noch viel wichtiger ist sie sind dort ebenso stimmberechtigt und dürfen eigene Anträge einbringen.
Schule und Bildungsauftrag
Im Vordergrund des Schulalltages steht der Bildungsauftrag (NSchG §2): Die Schülerinnen und Schüler sollen fähig werden, »die Grundrechte für sich und jeden anderen wirksam werden zu lassen, die sich daraus ergebende staatsbürgerliche Verantwortung zu verstehen und zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft beizutragen«. Die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler am Schulalltag soll zur Erfüllung des Bildungsauftrags beitragen.
Deshalb ist es unerlässlich, in der Schule einen Vertreter bzw. eine Vertreterin der eigenen Peergroup zu haben. Diese Person kann Wünsche sowie Anliegen der ganzen Klasse mit ihr und mit der Lehrkraft besprechen und sich für ihre Belange einsetzten. Dabei lernen Schülerinnen und Schüler grundlegende demokratische Kompetenzen, z.B.:
  • demokratische Wahlen,
  • wie es ist, vertreten zu werden,
  • wie man jemanden vertritt,
  • Teamfähigkeit,
  • Kommunikationskompetenz,
  • Problemlösungsstrategien, usw.
Es wird immer davon gesprochen, wie wichtig es ist, mündige Bürgerinnen und Bürger innerhalb der Demokratie zu haben. Dafür ist es notwendig, bereits von klein auf Teilhabe und demokratische Vertretung erleben zu können.
Rechtlicher Hintergrund
Die rechtliche Verpflichtung zur Klassensprecherwahl geht in Deutschland auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz von 1973 zurück: »Erziehung zur Selbstständigkeit, Selbstverantwortung und Mündigkeit setzt voraus, dass die Schüler altersentsprechend an der Gestaltung des Schullebens beteiligt werden.«2 So hat dieser Beschluss in den deutschen Schulgesetzen mit unterschiedlicher Ausprägung seinen Niederschlag gefunden. Exemplarisch genannt ist hier das Land Niedersachsen:
NSchG § 73
Klassenschülerschaft
In jeder Klasse vom 5. Schuljahrgang an (Klassenschülerschaft) werden eine Klassensprecherin oder ein Klassensprecher (Klassenvertretung), deren oder dessen Stellvertreterin oder Stellvertreter sowie die Vertreterinnen oder Vertreter in der Klassenkonferenz und deren Ausschuss nach § 39 Abs. 1 oder Abs. 2 gewählt. [].
In den meisten Schulgesetzen ist die Wahl der Klassensprecher ab Klasse fünf somit Pflicht und die Lehrkräfte müssen teils bestimmte Fristen zur Wahl einhalten. Dennoch ist es von Vorteil bereits in der Grundschule die Klassensprecherwahl als eine Form demokratischer Partizipation einzuführen.
Verantwortungsübernahme
Warum sind Klassensprecherwahlen nun so wichtig? Selbstwirksamkeit ist eine Grundvoraussetzung für die Verantwortungsübernahme, dies ist unabhängig vom Alter. Selbstwirksamkeit bedeutet, zurückgehend auf den Psychologen Albert Bandura das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, auch...

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