7. – 9. Schuljahr

Sophie Fink | Katrin Hamel | Jelan Yousif

Die Suche nach der eigenen Identität

Fiona Rempt: Vertauscht

Was macht mich aus? Wie hängt meine Identität zusammen mit meinem familiären Umfeld? Was bleibt, wenn meine Familie plötzlich eine andere ist? Solche Fragen treiben Pum und Yannick um, die beiden Protagonistinnen des Romans Vertauscht. Er macht Jugendlichen Angebote, sich altersgemäß mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen.

Identität entwicklungspsychologisch betrachtet
Die Frage nach der eigenen Identität ist die zentrale Problematik des Jugendromans Vertauscht (s. Kasten).
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Fiona Rempt
Vertauscht
Stuttgart 2014
187 Seiten, 14,90€
ab 12 Jahren
Definiert meine Familie meine Identität? Diese Frage müssen sich Pum und Yannick im Roman »Vertauscht« von Fiona Rempt an ihrem 13. Geburtstag stellen, als sie von ihren Eltern erfahren, dass sie nach ihrer Geburt vertauscht wurden und bei der falschen Familie aufgewachsen sind. So unterschiedlich wie die zwei Mädchen sind auch ihre Reaktionen auf diese Enthüllung: Während Pum erbost und enttäuscht ist, ist Yannick vor allem gespannt auf ihre leiblichen Eltern und auf das Mädchen, das bei ihnen aufgewachsen ist.
Als die Mädchen sich kennenlernen, stellen auch sie fest, wie unterschiedlich sie sind. Beide sind gespannt auf die Familie der anderen, die ja eigentlich die eigene ist. Und so entschließen sie sich, den Sommerurlaub miteinander zu tauschen. Yannick fliegt mit den Eltern Tom und Sophie und Pums bester Freundin Amy nach Thailand, Pum reist mit Jennes und Mantsie und drei Brüdern nach Ungarn. Beide machen prägende Erfahrungen und bauen eine Beziehung zu ihrer leiblichen Familie auf.
Doch stellt sich Yannick und Pum am Ende des Urlaubs die Frage, wo sie von nun an leben wollen: bei ihrer bisherigen Familie, in der sie aufgewachsen sind, oder in ihrer leiblichen Familie, die ganz anders und doch merkwürdig vertraut ist.
Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson definiert Identität als »das Gefühl, man selbst zu sein«1. Das Wissen darum, dass die Familien, in denen sie aufgewachsen sind, nicht mit ihnen verwandt sind, lässt Pum und Yannick ihre bisherige Identität hinterfragen. Identität lässt sich zunächst in die Aspekte Anlage und Umwelt einteilen.2 Durch das Vertauschtwerden nach der Geburt fällt für Pum und Yannick der genetische Faktor weg und damit eine sicher geglaubte Säule ihrer Identität. Daraus resultieren Pums Frustration und Wut auf die Eltern, wohingegen Yannick eine Chance darin sieht, andere leibliche Eltern zu haben.
Besonders im Jugendalter bestimmt die Wechselwirkung zwischen Individuum und Umwelt die Ausbildung der eigenen Identität.3 Pums Selbstsicherheit lässt sich darauf zurückführen, dass sie in einem familiären Umfeld aufgewachsen ist, das ihr viel Vertrauen, Erfahrungsmöglichkeiten und Ermutigungen entgegengebracht hat.4 Yannick dagegen ist sehr viel zurückhaltender. Die Situation kippt, als die Mädchen mit ihrer Tauschfamilie in den Urlaub fahren: Während Yannicks künstlerisches Talent anerkannt wird und sie an Selbstbewusstsein gewinnt, beginnt Pum, an ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Hier zeigt sich, dass unser Selbstwertgefühl durch Faktoren wie unser genetisches Erbe, die Qualität unserer Beziehungen, unser Aussehen und unsere Fähigkeiten bestimmt wird. Auch die in den beiden Familien unterschiedliche Familiendynamik spielt eine Rolle.5
Das Jugendalter ist die wichtigste Zeit der Identitätsentwicklung. Ein zentraler Aspekt ist die Erprobung von Autonomie. Durch den getauschten Urlaub erfahren die Protagonistinnen, dass Identität nicht festgelegt ist, sondern einem Wandel unterliegt. Die Herausforderungen der Vertauschung meistern die beiden letztlich gemeinsam und gehen gestärkt aus dieser Umbruchphase hervor.
Über Identität nachdenken
Zu Beginn der Einheit beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Begriff der eigenen Identität (M1 ). In die Zeichnung eines Figurenumrisses tragen...

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