7. – 8. Schuljahr

Talia Baskaya | Henri Kögel | Isabel Schönhut | Mariam Toor

Mit den Waffen der Sprache

Michael Gerard Bauer: Nennt mich nicht Ismael

Sich gegen Mobbing wehren, ohne dabei anderen zu schaden oder selbst zum Mobber zu werden: Das ist keine leicht zu bewältigende Aufgabe. Dass und vor allem wie das gelingen kann, zeigen die Protagonisten des Romans und machen so vielfältige Identifikations- und Lösungsangebote zu einer in wohl jedem Schulalltag virulenten und drängenden Problematik.

Oft fühlen sich Mobbingopfer dem Mobber gegenüber wehrlos, und auch in Mobbinggeschichten in Filmen oder Büchern braucht das Opfer meist einen Beschützer, um gegen seinen Peiniger vorzugehen. Der Jugendroman Nennt mich nicht Ismael zeigt eine andere Lösungsstrategie, die weder im »Zurückmobben« besteht noch im Verstecken hinter einem Beschützer (s. Kasten).
Zum Buch
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Michael Gerard Bauer
Nennt mich nicht Ismael
München: dtv 2009
304 S., 8,95
ab 10 Jahren
Der 14-jährige Ismael Leseur besucht das St. Daniels Boys College und ist dort den Schikanen seines Mitschülers Barry ausgesetzt. Nebenbei muss er mit den typischen Problemen eines Jugendlichen zurechtkommen: Hausaufgaben, Liebeskummer und Identifikationsschwierigkeiten. Der nach einer Romanfigur aus »Moby Dick« benannte Ismael kann seinen Namen nicht ausstehen und macht ihn für sein Unglück mitverantwortlich. Der Roman erzählt aus Ismaels Perspektive, wie er und seine Mitschüler unter Barry leiden, bis sie einen neuen Freund gewinnen. James Scobie behauptet sich gegen Barry, indem er ihn durch kluge Wortgefechte in die Schranken weist. Im Laufe des Romans gründet James einen Debattierclub und ermutigt die anderen dazu, sich verbal zu wehren. Selbst Ismael springt bei einer Debatte ein und gewinnt an Selbstvertrauen. Er beginnt sogar, Parallelen zwischen sich und Kapitän Ahab aus »Moby Dick« zu erkennen.
Diese Botschaft des Romans offenbart sich vor allem am Ende, als Ismael die Möglichkeit bekommt, in der Jahresabschlussrede seinen Peiniger Barry vor der gesamten Schülerschaft und den Eltern bloßzustellen. Er entscheidet sich aber dagegen, Barry zu demütigen, und fasst trotz dessen Ankündigung, er würde Ismael für seine Drohung büßen lassen, neuen Mut. Bauer zeigt in seinem Roman, wie aus dem ängstlichen Protagonisten ein selbstbewusster Jugendlicher wird, der sich seiner Stärken bewusst ist
Ethische Anknüpfungspunkte
Ein großes Thema in Nennt mich nicht Ismael ist Ismaels »Identitätskrise«. Sein mangelndes Selbstbewusstsein zeigt sich zum Beispiel darin, dass ihm die (vom Hauptcharakter des Romans Moby Dick inspirierte) Namensgebung seiner Eltern äußerst peinlich ist. Der Mangel an Selbstwertgefühl stammt nicht zuletzt auch von einem fehlenden »Wir-Gefühl«, das der Hauptfigur aufgrund der ständigen Zurückweisungen fehlt. Ismael empfindet somit in der Schule auch kein Gefühl von Sicherheit.
Auch Ismaels Position in der Familie ist schwierig, da er sich angesichts der Erfolge seiner Verwandten unterDruck gesetzt sieht. Sein Vater ist Versicherungsvertreter und hat eine eigene Band, seine Mutter ist Stadträtin und seine Schwester wird nicht nur von der gesamten Familie vergöttert, sondern hat auch einen außergewöhnlich hohen IQ. Für viele Schülerinnen und Schüler bieten sich hier Identifikationsmöglichkeiten. Die spätere Gründung des Debattier-Teams spendet jedoch Hoffnung und ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus dem Gefühl der Verunsicherung eine Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen, aber auch Stärken resultieren und in eine Initiative münden kann, sein Schicksal in die Hand zu nehmen.
Ein weiterer Aspekt des Plots ist die Frage nach der Legitimität von Rache. Wenn Ismael an den Punkt gelangt, sich an seinem Widersacher Barry Bagsley rächen zu können, wirft das die Frage auf, ob Rache beispielsweise als präventiver Selbstschutz gerechtfertigt sein kann.
Der Roman im Unterricht
Mithilfe der Einstiegsaufgabe (M1 ) erarbeiten die...

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