10. – 13. Schuljahr

Anita Rösch

Was macht den Menschen zum Menschen?

Bernard Beckett: Das neue Buch Genesis

Eine philosophische Science-Fiction-Dystopie, die die Frage danach, was den Menschen ausmacht und von der Maschine unterscheidet, mit der Frage nach dem besten Staat verbindet und mit Überlegungen dazu, wie man das Böse aus der Welt fernhalten kann kann das funktionieren? Es kann!

Dem Neuseeländer Bernard Beckett ist ein kleines Meisterwerk gelungen. In seinem Roman Das neue Buch Genesis verbindet er in einem inhaltlich und formal ungewöhnlichen Roman aktuelle globale Entwicklungen mit platonischer Philosophie und Roboterethik (s. Kasten). Spannung entsteht vor allem durch die Dialoge, Action sucht man hier vergebens.
ZUM Buch

Die Geschichte von Adam und Art
ZUM Buch
Bernard Beckett
Das neue Buch Genesis
Script 5/Loewe
Bindlach 2011
170 S. / 5,99
ab 16 Jahren
Die Geschichte von Adam und Art
Am Ende des 21. Jahrhunderts steht Anaximander, genannt Anax, vor der Akademie, die das oberste Beratungsgremium der Gesellschaft bildet, um sich für die Aufnahme in dieses Gremium zu bewerben. Ihr Prüfungsthema ist die Biografie des Nationalhelden Adam Forde. Der Roman umfasst das fünfstündige Prüfungsgespräch, in dem Anax der Kommission ihre vorbereiteten holografischen Berichte über Adam Forde präsentiert und den Prüfern Rede und Antwort steht.
Zum Prüfungszeitraum lebt Anax in einer friedlichen Gesellschaft. Doch das war nicht immer so. Klimakatastrophen, Kriege und Seuchen hatten die Menschheit fast vernichtet. Daraufhin hat sich auf Aotearoa, wie Neuseeland in der Sprache der Maori heißt, eine Gesellschaft vollkommen abgeschottet, Zäune im Meer wurden errichtet und alle Schiffe, die sich der Insel näherten, abgeschossen. Die Gesellschaft wurde analog zur Utopie in Platons Politeia von einem gleichnamigen Regenten gestaltet: Einteilung der Bevölkerung aufgrund von Qualifikationen in Arbeiter, Soldaten, Facharbeiter und Philosophen; Trennung der Kinder nach der Geburt von ihren Eltern; strenge Erziehung und Ausbildung; getrennte Lebensbereiche für Männer und Frauen. In diese Gesellschaft wird Adam Forde geboren.
Trotz der Tendenz zu widerständigem Verhalten und Individualität wird er der Klasse der Philosophen zugeordnet. Doch Adam Forde ist ein Revolutionär und hält sich als Grenzsoldat nicht an die Vorgaben. Anstatt ihn mit dem Tod zu bestrafen, wird er Teil eines großen wissenschaftlichen Experiments mit künstlicher Intelligenz. Die Gefangenschaft soll er mit Art, einem Roboter, verbringen, dessen Entwicklung durch die Kommunikation mit Adam vorangetrieben werden soll. Die Gespräche zwischen den beiden werden von Kameras und Mikrofonen aufgezeichnet und stellen die wichtigsten Informationen zu Adam Forde dar. Nach einigem Widerstand von Adam, sich mit Art, einem Orang-Utan-ähnlichen Roboter auszutauschen, entspinnen sich lange Dialoge zwischen beiden über das Menschsein und den Unterschied von Mensch und Maschine, die Anax in ihrer Prüfung präsentiert. Die gemeinsame Haft endet mit einem gemeinsamen Fluchtversuch, in dessen Verlauf Adam zu Tode kommt. Art gelingt es, seine Daten in den Zentralcomputer der Insel einzuspeisen und sein Reproduktionsprogramm zu starten. Um die künstliche Intelligenz zu stoppen, beginnen die Menschen, systematisch Technologie zu zerstören. Die Roboter wehren sich und es kommt zum Krieg zwischen Mensch und Maschine.
(Alle, die sich die Spannung auf das unerwartete Ende des Romans nicht nehmen wollen, sollten diesen Absatz überspringen.) Am Ende des Buches stellt sich heraus, dass das, was die Gesellschaft und damit auch Anax über die Geschichte weiß, nur ein Teil der Wahrheit ist. Es zeigt sich, dass sowohl Anax als auch die Mitglieder der Akademie Roboter sind. Ob es überhaupt noch Menschen gibt, bleibt offen. Was der Gesellschaft verheimlicht wird, ist, dass die Roboter Grundsätze der Menschen übernommen haben, die von ihrem Programmierer eigentlich verhindert werden...

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