8. – 10. Schuljahr

Ethik & Philosophie im Song

Sarah Lesch: Der Kapitän

Starke Musik, starke Songtexte, starke Frau: Sarah Lesch, geboren 1986 im thüringischen Altenburg, ist seit 2012 als Musikerin tätig. Davor hat sie als Erzieherin gearbeitet und Musikstücke für das Kindertheater geschrieben. Mit ihrem Song Testament hat sie 2016 den Protestcontest in Wien gewonnen.
Hintergrund und Thema des Songs
Sarah Leschs politisch eher linke Texte berühren und regen zum Nachdenken an. So auch der Song Der Kapitän, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Er handelt von Leschs Schwiegervater Stefan Schmidt, der im Jahr 2016 37 Flüchtlingen aus dem Sudan das Leben gerettet hat. Der Kapitän wurde daraufhin von den italienischen Behörden verhaftet und wegen Beihilfe zur illegalen Einreise angeklagt. Nach fünf Jahren wurde er freigesprochen und erhielt zahlreiche Preise für sein Handeln. In Der Kapitän schreibt Sarah Lesch darüber und spricht die zentrale Paradoxie an: »Was kann das für eine Welt sein, wenn der Mann einen Preis erhält. Und gleichzeitig vor Gericht steht, für das Normalste auf der Welt?«
Mit dieser Frage tritt Sarah Lesch in eine Debatte ein, die seit fast dreißig Jahren erbittert geführt und ganz aktuell durch die Geschehnisse um die Kapitänin Carola Rackete angeheizt wird. Schon in den 1990er-Jahren flüchteten Menschen überwiegend aus Süd- und Osteuropa nach Deutschland, um sich ein neues Leben aufzubauen.
Seit einigen Jahren hat die Zahl der Flüchtlinge nach Europa wieder stark zugenommen. Jetzt kommen die Menschen vor allem aus Syrien, Eritrea, Irak, dem westlichen Balkan, Afghanistan und Pakistan. Die Gründe ihrer Flucht sind Bürgerkriege, dass Gebiete von Terrororganisationen kontrolliert werden, Regime Freiheitsrechte unterdrücken und in vielen der Staaten Armut herrscht. Die Konsequenzen sind eine ständig bedrohte Existenz, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit sowie immer kleiner werdende Chancen auf Bildung. Um dem zu entkommen, flüchten täglich Menschen über das Meer nach Europa, ohne jedoch die nötigen Mittel zur Verfügung zu haben, ihr Ziel sicher zu erreichen. So haben sie oft keine geeigneten Boote für die Überfahrt.
Seenotrettung im Mittelmeer
Um die Menschen vor dem Tod zu bewahren, wurde 2014 Sea-Watch gegründet. Dieser Verein rettet auf dem Mittelmeer mit vielen freiwilligen Helfern Flüchtlinge vor dem Ertrinken. Damit setzt sich Sea-Watch heftiger Kritik aus. Denn viele Menschen sind der Überzeugung, dass durch die Rettung der Menschen illegaler Menschenschmuggel gefördert wird. So würden nicht nur die Migranten ermutigt zu fliehen, obwohl sie keine zur Verfügung stehenden Mittel haben, sondern auch die Arbeit von Schleppern begünstigt. Aus diesem Grund hat sich die Staatengemeinschaft inzwischen komplett aus der Seenotrettung im Mittelmeer zurückgezogen.
Die Position der Retter und ihrer Unterstützer, so auch die von Sarah Lesch, ist, dass es eine Pflicht nicht nur im Sinne der Menschenrechts-Charta ist, einen Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Zudem haben die Betroffenen einen Grund zur Flucht und meist Anspruch auf Asyl und sollten die Chance auf ein sicheres Leben erhalten. Die Lösung könne nicht darin liegen, die Betroffenen ertrinken zu lassen.
»Der Kapitän« im Unterricht
Der Song von Sarah Lesch lässt sich im Kontext des Konflikts um Menschlichkeit vs. nationalstaatliche Interessen gut in den Unterricht integrieren. Zum einen knüpft er mit dem sehr aktuellen Thema an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler an. Zum anderen kann er in fast jeder Klassenstufe diskutiert und auch schon in der Unterstufe behandelt werden, da er in einfachen Sätzen die Situation Stefan Schmidts wiedergibt. In der Oberstufe kann er etwa als Einstieg in die Pflichtethik Kants oder aber in eine Dilemmadiskussion genutzt werden, etwa zur Vertiefung des Konflikts zwischen Wahrung der Menschenrechte und staatlicher Gesetzgebung.
Das Arbeitsblatt M1 unterstützt die Auseinandersetzung mit dem im...

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