7. – 10. Schuljahr

Lara Dreut | Annika Grubbe

Dem Tod so nah

Kinder und Jugendliche auf der Flucht

Die Nachrichten über die Flüchtlingsströme der letzten Jahre haben auch jüngere Schülerinnen und Schüler zur Kenntnis genommen. Manchen haben vielleicht auch Erfahrungen mit Flüchtlingen im Alltag gemacht. Aber wer kann ermessen, was so eine Flucht konkret bedeutet? Diese Unterrichtseinheit möchte anhand realistischer Beispiele und wahrheitsgemäßer Erzählungen von minderjährigen Flüchtlingen in Jugendbüchern das Thema für Schülerinnen und Schüler verständlicher, zugänglicher und nachvollziehbarer machen.

Jeder von uns kennt es, dieses Gefühl. Damals auf der ersten Klassenfahrt oder wenn die Eltern in den Urlaub fuhren und die Kinder bei den Großeltern einquartiert haben. Heimweh. Im Jahr 2016 mussten rund 35000 Minderjährige1 diesem Gefühl über Wochen, Monate, manchmal vielleicht sogar Jahre standhalten, denn diese 35000 Kinder und Jugendlichen sind ohne Eltern oder andere Verwandte nach Deutschland geflohen und waren somit ganz auf sich allein gestellt.
»Knapp 60 Millionen Menschen sind es laut UNHCR, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung auf der Flucht sind. Nicht mitgezählt werden dabei jene, die aufgrund ökologischer Krisen, Armut, Ausbeutung und Chancenlosigkeit gezwungen sind, zu migrieren.«2 Schleppern zahlen sie oft horrende Summen, wissen aber nicht, was sie letztlich dafür bekommen, ob sie die Reise überleben werden und, wenn doch, ob sie im Ankunftsland überhaupt bleiben dürfen.
Flüchtlingsschutz
Zum Schutz von Leben und Rechten der Flüchtenden gibt es seit 1951 die Genfer Flüchtlingskonvention. Aus der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), einem völkerrechtlichen Abkommen zum Flüchtlingsschutz, und den dazugehörigen Protokollen geht hervor, wer als Flüchtling anzusehen ist und welche Rechte für diese Person gelten. Flüchtlinge sind Menschen, die beispielsweise aufgrund ihrer Rasse, Religion oder politischen Überzeugung in ihrer Heimat verfolgt werden. Armut oder andere Krisen des menschlichen Lebens zählen dabei nicht als status- und rechtsgebend. 147 Staaten haben mindestens eines der beiden Dokumente unterzeichnet, sodass in all diesen Staaten Flüchtlinge nicht einfach abgeschoben, ausgeliefert oder abgewiesen werden dürfen, solange sie ansonsten in Gefahr wären.3
Für minderjährige Flüchtlinge gibt es Sonderrechte und Leistungen, die jedoch nur bis zur Volljährigkeit greifen. Und oftmals werden die Kinder und Jugendlichen auch nur so lange geduldet, bis sie volljährig sind.4 Wenn sie sich also gerade eingelebt haben, werden sie vielleicht schon wieder abgeschoben. In ein Land, das ihnen dann vermutlich fremd geworden ist, weil sie den Großteil ihrer Kindheit, ihrer Jugend, ihres jungen Erwachsenenlebens hierzulande und nicht anderswo verbracht haben. Eine Situation, die für uns alle, vor allem aber für Kinder oder Jugendliche hier im Westen, völlig unvorstellbar ist.
Perspektivwechsel Flucht
Die Unterrichtseinheit zum Thema Flucht möchte anhand realistischer Beispiele und wahrheitsgemäßer Erzählungen von minderjährigen Flüchtlingen in Jugendbüchern das Thema für Schülerinnen und Schüler verständlicher, zugänglicher und nachvollziehbarer machen. Die Aufgaben in M1 ebnen den Einstieg in die ansonsten abstrakte Thematik Flucht, indem sie zunächst allgemein auf die Ursachen und Gründe von Flucht eingehen. Zudem regen sie dazu an, selbst darüber nachzudenken und sich eine Situation vorzustellen, in der sie ihre Heimat verlassen, was Nähe zum Thema erzeugt. Die Bilder zu den Aufgaben von M1 verstärken diesen Effekt zusätzlich, schließlich zeigen sie solche Fluchtgründe ganz deutlich. Neben Krieg, Terror, Hungersnot und Armut werden auch Gründe wie Naturkatastrophen und Perspektivenlosigkeit aufgezeigt.
M2 greift die Fluchtwege und -arten im Speziellen auf und soll den Jugendlichen zeigen, welche Strecken und Anstrengungen Flüchtlinge in Kauf nehmen und unter welchen Bedingungen sie das...

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