5. – 13. Schuljahr

Eymen Khamassi

Auf dem Weg zu einem lebenslangen Lernen

PLN und Twitter für die Schule

Eine Voraussetzung dafür, die Schülerinnen und Schüler digital zukunftsfähig zu machen, ist, dass die Lehrerinnen und Lehrer selbst in die digitale Welt eintauchen und sich mit den Begebenheiten sozialer Netzwerke vertraut machen. Was noch zu häufig im privaten Rahmen stattfindet, bahnt sich langsam aber sicher seinen Weg ins Lehrerzimmer, und so lassen sich heute schon spannende Beispiele ausmachen, wie Schule und personal learning networks zusammenfinden.

Wer an seine erste Lektüre eines philosophischen Textes zurückdenkt, dem wird wohl der Wunsch nachvollziehbar sein, der Autor käme zur Tür hereinspaziert und helfe bei einer scheinbar widersprüchlichen oder unüberbrückbaren Passage. Auch wenn das ein frommer Wunsch bleiben muss, gibt es in Zeiten digitaler Technologien verschiedene Angebote, die auch ohne die Anwesenheit des Meisters Abhilfe schaffen können. Was noch vor rund 50 Jahren praktisch nur im Briefaustausch oder in einem Vier-Augen-Gespräch möglich war, etwa im Rahmen einer Tagung, ist heute weitaus unkomplizierter. Plattformen wie beispielsweise academia.edu gehören heute zum wissenschaftlichen Diskurs. Interessant wird jedoch der Blick über den Tellerrand hinaus.
Denn während academia.edu klassische Kommunikationswege des wissenschaftlichen Milieus bedient, findet der Diskurs heute auch über Kanäle statt, die nicht genuin für die Wissenschaft entwickelt worden sind. Der Kurznachrichtendienst Twitter ist eine dieser Plattformen. Hier sind neben vielen Interessierten auch ausgewiesene Experten aktiv, die man unkompliziert anschreiben kann. Die vergleichsweise leichte Kontaktaufnahme mit einer Vielzahl von Menschen über soziale Netzwerke wie eben Twitter lässt Grenzen wohl nicht ganz verschwinden, sie trägt allerdings dazu bei, diese zu überwinden.
Dabei scheint Twitter für den Einstieg in die sozialen Netzwerke besonders attraktiv zu sein, weil die Nutzung besonders einfach ist. Nach dem Anmelden sucht man im Suchfeld nach potenziellen Accounts von Menschen oder Institutionen, die für die persönlichen Interessen von Bedeutung sein können. Durch Folgen dieser Accounts werden einem immer dann, wenn neue Nachrichten von diesen Accounts abgesetzt werden im Twitter-Jargon als tweets bezeichnet , diese auf die eigene Übersichtsseite, der timeline, angezeigt. Indem nun Interessierte und Experten sich gegenseitig folgen und gemeinsam zu einem Thema schreiben, entwickeln sich Prozesse der Netzwerkbildung, die auch in der schulischen Ausbildung ihre Anwendung finden können, sei es durch Partizipation oder durch Kritik.
Personal Learning Networks (PLN)
Es sind genau diese Punkte, die soziale Netzwerke für den Philosophieunterricht interessant machen. Schülerinnen und Schüler eröffnen sie die Möglichkeit, zweckgebunden auf derartige Netzwerke zuzugreifen. Darüber hinaus können sie Erfahrungen damit sammeln, selbst ein solches Netzwerk aufzubauen. So werden nicht nur neue Kommunikationswege ausprobiert, die Schülerinnen und Schüler können darüber hinaus auch zu einer vertieften Problemreflexion kommen, indem sie sich beispielsweise mit Fachleuten zu Virtual Reality austauschen oder den Prozess der (eigenen) Netzwerkbildung diskutieren.
Die gewonnenen Erkenntnisse können dann nicht nur in den Unterricht Einzug finden, sondern auch zu einer nachhaltigen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand führen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln auf diese Art ein personal learning network (PLN) wie es etwa die Hamburger Lehrerfortbilderin Lisa Rosa postuliert. Rosa geht es bei den PLN jedoch keineswegs um ein Konkurrenangebot zur Schule, wie es von Skeptikern häufig verstanden wird. Vielmehr sei das Ziel die Verschmelzung dieser PLN und mit der Schule. So schlägt sie etwa Projektunterricht als eine Möglichkeit vor, die PLNs im Unterricht zu nutzen.
Tatsächlich sind die meisten Schülerinnen und Schüler ...

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