8. – 10. Schuljahr

Ethik & Philosophie im Song

The Fortunes of War

Mit Liedern und Liedtexten im Philosophie- und Ethikunterricht zu arbeiten, ist mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich. Die Musik erzeugt Stimmungen und Emotionen, die in Verbindung mit der Aussage der Texte reflektiert werden können. Für die Arbeit mit deutschsprachigen Liedern spricht die direkte Zugänglichkeit der Texte. Bei fremdsprachigen Lyrics ist zu bedenken, dass für die Übersetzung Unterrichtszeit eingeplant werden muss. Dennoch sollten fremdsprachige Songs nicht prinzipiell als Unterrichtsmaterial ausgeschlossen werden, da eine Anknüpfung an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler möglich wird, die in der Regel des Öfteren englischsprachige Songs hören.
Zudem wird durch die Übersetzungsarbeit eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Text angeregt. Allerdings ist der Aktualitätsbezug zu den musikalischen Vorlieben der Schülerinnen und Schüler nur schwer einzulösen. Zum einen wird der Musikgeschmack in der Lerngruppe immer heterogen sein, zum anderen finden sich nur selten Songs in den aktuellen Charts, die sich für die thematische Behandlung im Unterricht anbieten. Das Ziel, dass sich die Schülerinnen und Schüler kritisch mit ihrem eigenen Musik- und Medienkonsum auseinandersetzen, lässt sich bevorzugt so einlösen, dass sie selbst Vorschläge für Lieder und Texte machen, die im Unterricht aufgenommen werden können, um die angebotenen Musikstücke zu ergänzen.
Eine Hinführung zur Frage nach dem Gerechten Krieg
Individuelle Motive erarbeiten
Für die Hinführung zur Frage nach dem Gerechten Krieg bieten die Rockgeschichte und die Tradition der Singer-Songwriter eine große Bandbreite, besonders im Bereich der Antikriegssongs. Ein Klassiker ist der von Norman Whitfield und Barrett Strong 1969 geschriebene Song War, der in der Version von Edwin Starr bekannt wurde. Aufgenommen wurde der Song unter anderem auch von Bruce Springsteen und Frankie goes to Hollywood. Die Grundthese des Liedes ist, dass Krieg für absolut nichts gut sei. Wenn diese Aussage richtig wäre, bleibt zu fragen, warum Menschen in den Krieg ziehen und warum Kriege geführt werden. Während die erste Frage auf einer eher individualpsychologischen Ebene liegt, gilt es bei der zweiten, eine gesellschaftliche Einordnung vorzunehmen.
Mit den beiden folgenden Songs The Fortunes of War von The Brandos und John Walkers Blues von Steve Earle wird zunächst die individuelle Perspektive verfolgt. Die musikalische Gestaltung der Songs unterstützt die Identifikation mit den Protagonisten und untermalt deren Grundstimmung. In dem schnellen Country-Rocksong mit mehrstimmigem Gesang The Fortunes of War wird ein Mann vorgestellt, der sich von seinem sozialen Umfeld nicht geliebt oder akzeptiert fühlt. In einer eher pubertären Vorstellung sieht er den Krieg als ruhmvolles Abenteuer und wünscht sich als Held, tot oder lebendig, gefeiert zu werden. Die getragene Ballade John Walkers Blues versucht, die Perspektive John Phillip Walker Lindhs einzunehmen, der als junger Mann zum Islam konvertierte und in Afghanistan auf Seiten der Taliban kämpfte. Er wurde 2001 gefangengenommen und in Amerika zu 20 Jahren Haft verurteilt. Steve Earles Song löste eine Kontroverse in Amerika aus, da ihm von konservativen Kreisen vorgeworfen wurde, Verständnis für John Walker aufzubringen. Die Figur in dem Lied kämpft für ihre religiösen Überzeugungen.
Die gesellschaftliche Dimension
Die Schülerinnen und Schüler haben nun zwei individuelle Motive nachvollzogen, die Menschen dazu veranlassen können, in den Krieg zu ziehen. Diese werden in ähnlicher Form aufgegriffen und ergänzt durch die vorgestellten Personen in dem zweiten Song von Steve Earle Rich Mans War. Dessen Grundaussage ist, dass die kämpfenden Individuen für letztlich wirtschaftliche Zwecke instrumentalisiert werden. Mit diesem Song wird zur gesellschaftlichen Perspektive übergegangen.
Die Grundthese des ersten Songs, dass Krieg keinen...

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