8. – 13. Schuljahr

Patrick Baum

Gedanken Gehör verschaffen

Hörtexte produzieren mit Ferrite oder Sprach-Memos (iOS)

Das Einsprechen philosophischer Texte geht immer auch mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung und Aneignung einher, anders lässt sich ein Text nicht sinnvoll vorlesen. Neben diesen Effekten bei den Produzenten eines Hörtextes ist das Ergebnis oder Produkt ein Materialangebot, das anderen den Zugang zu einem Text ebnen und das Verständnis erleichtern kann.

Schon vor neun Jahren habe ich in Ethik&Unterricht für den Einsatz von Hörtexten im Unterricht plädiert1; als Texte, die vor allem für Zuhörer, weniger für Leser, gemacht sind, sind Hörtexte höchst gewinnbringende Lernmittel des Philosophie- und Ethikunterrichts, die die Schulung vielfältiger Kompetenzen erlauben etwa der Text- oder Wahrnehmungskompetenz. Bei der Rezeption philosophischer Hörtexte im Unterricht geht es vorrangig darum, die in diesem Hörtext entfalteten Gedanken zu erfassen. Dabei besteht die Schwierigkeit, dass dieser Text ›in der Zeit‹ rezipiert werden muss, das heißt, man kann so der Text nicht auch schriftlich vorliegt nicht zurückblättern oder eine Passage erneut lesen.
Diesem Nachteil stehen aber große Vorteile gegenüber: Der Hörtext steuert seine Rezeption stärker als der Lesetext. Jeder Sprecher bedient sich paralingualer Mittel (Artikulation, Intonation, Sprechrhythmus, Einsatz von Pausen etc.), um das Gesagte zu verdeutlichen. Handelt es sich um einen Vortragstext, kommen überdies noch andere, das Verständnis erleichternde, stilistische Mittel zum Tragen, etwa das Prinzip der Redundanz oder die für mündliche Rede typischen Diskursmarker der Hörersteuerung (zum Beispiel Vergewisserungsfragen). Schülerinnen und Schüler, die nun solche Texte rezipieren, können an ihnen ihre Text- und Sprachkompetenz schulen. Gerade diejenigen, die Gliederungssignale im gedruckten Text vielleicht übersehen oder von der komplexen Syntax mancher philosophischer Texte überfordert sind, erhalten durch den Hörtext zusätzliche Impulse, die die Verstehensleistung befördern können.
Schüler ans Mikro: Produktion von Hörtexten
Lag der Schwerpunkt in meinem Beitrag von 2010 auf der Rezeption professionell erstellter Hörtexte, so will ich den Schwerpunkt hier auf die Produktion solcher Texte im Unterricht legen: die Erstellung von philosophischen Hörtexten durch die Schüler als Form alternativer Textarbeit. Heute hat jeder Schüler quasi ein kleines Aufnahme-Studio in der Hosentasche, das wir gemäß der BYOD-Devise im Unterricht zielführend einsetzen können. Jedes Smartphone ist natürlich mit einem leistungsfähigen Mikrofon ausgestattet und verfügt über Software, um Audio-Aufnahmen zu machen (auf dem iPhone heißt die werksseitig vorinstallierte Software Sprach-Memo, auch für Android-Handys gibt es zahlreiche Programme, die die Erstellung von Sprachnotizen erlauben, etwa Easy Voice Recorder).
Diese Standard-Ausstattung, die für unsere Zwecke prinzipiell genügt, lässt sich noch aufwerten etwa durch ein externes USB-Mikrofon oder professionellere Software wie das Programm Ferrite Recording Studio (iOS), das in einer kostenlosen Basisversion vorliegt, bei der sich kostenpflichtig zusätzliche Module freischalten lassen, die das Smartphone, hier: iPhone, in ein veritables Audioschnitt-Studio verwandeln. Wer nicht mit den Smartphones der Schüler arbeiten will, kann natürlich nach wie vor auch mit dem Laptop und der zuverlässigen kostenlosen Software Audacity (Windows, MacOS, Linux) arbeiten; im Folgenden gehe ich allerdings davon aus, dass die Einheit in einem BYOD-Szenario gearbeitet wird.
Da die Erstellung von Hörtexten, so sie nicht hochprofessionell sein soll, vergleichsweise einfach ist (die Bedienung der Software ist nahezu intuitiv), lassen sich entsprechende Projekte sowohl in der Sekundarstufe I wie auch in der Sekundarstufe II realisieren. Im Folgenden skizziere ich zwei mögliche Szenarien, die sich mit Bezug auf das...

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