5. – 13. Schuljahr

Dominik Schöneberg

Gemeinsam stark

Reformpädagogik und Digitalisierung1

Reformpädagogen arbeiten schon sehr lange daran, die Schulen zu einem Ort zu machen, an dem Schülerinnen und Schüler gern lernen. Die Digitalisierung der Schulen könnte dabei helfen, dieses Ziel umzusetzen. Wenn Reformpädagogen und Digitalisierer zusammenarbeiten, können sie die Schulen gemeinsam und nachhaltig im Sinne von mehr Schülernähe und Alltagsrelevanz verändern.

Weil sie mit dem bestehenden System nicht zufrieden sind, haben sich reformorientierte Schulen in Verbünden wie »Schulen im Aufbruch« oder »Blick über den Zaun« zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist, das Schulsystem »von unten« zu reformieren. Die Reform-Netzwerke teilen dabei das gemeinsame Leitziel, dass Schulen der Individualität der Schülerinnen und Schüler gerecht werden sollen.
In den letzten Jahren hat sich eine weitere Reformbewegung gebildet: Auf Events wie den Educamps, Mobile Schule in Oldenburg oder dem Digital Education Day in Köln treffen sich Lehrerinnen und Lehrer, die den digitalen Wandel der Schule aktiv gestalten wollen. Die Digitalisierer teilen auch online bei Facebook oder Twitter ihre Ideen und diskutieren unter Hashtags wie #BayernEdu, #digitaleBildung oder #zeitgemäßeBildung darüber,wie digitale Tools pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden können, um eine Bildung zu fördern, die die Schülerinnen und Schüler auf das Leben im digitalen Zeitalter vorbereitet.
Reformpädagogen und Digitalisierer arbeiten derzeit also gleichzeitig daran, die Schulen im Sinne der Schüler zu verändern. Meiner Wahrnehmung nach gibt es bislang zwischen beiden Reform-Bewegungen wenig Vernetzung. Eine mögliche Ursache: Einige Vertreter der digitalen Fraktion sind eher pragmatisch und wollen lieber Dinge ausprobieren, statt über pädagogische Leitlinien zu diskutieren. Umgekehrt sieht ein Teil der reformpädagogisch orientierten Lehrer den Einsatz von Smartphones und Technik eher kritisch. Sie befürchten, dass die Digitalisierung eine Gefahr für die aus ihrer Sicht zentralen menschlichen Beziehungen innerhalb der Schulgemeinschaft ist.
Ich möchte mit diesem Beitrag mit guten Argumenten Brücken über die Kluft zwischen Reformpädagogen und Digitalisierern bauen. Meine zentralen Thesen lauten:
  • Wenn Digitalisierer und Reformpädagogen zusammenarbeiten, steigen die Chancen, Schulen nachhaltig im Sinne der Schülerinnen und Schüler zu verändern.
  • Die Digitalisierung könnte der organisatorische Hebel sein, um viele Anliegen der Reformpädagogik im Schulsystem zu verwirklichen.
Um diese Thesen zu untermauern, möchte ich beispielhaft zeigen, wie digitale Werkzeuge dabei helfen können, reformpädagogische Ziele zu erreichen. Als Grundlage dafür nutze ich die Standards des »Blick über den Zaun« (BüZ). Der Verbund reformpädagogisch orientierter Schulen hat seine zentralen Ziele in einem Leitbild zusammengefasst. Anhand einiger der darin formulierten Standards möchte ich plausibel machen, dass eine sinnvoll durchgeführte Digitalisierung der Schulen und des Lernens die Ziele der Reformpädagogen fördern kann.
»Die wichtigsten Vorgaben für jede Schule sind die ihr anvertrauten Kinder, so, wie sie sind, und nicht so, wie wir sie uns wünschen mögen«, heißt es im Leitbild von BüZ. Daraus folgt das Postulat, die Kinder individuell zu fördern und zu betreuen. Um die Potenziale der einzelnen Schülerinnen und Schüler zu fördern, sollen auch die Lernprozesse individuell verlaufen. Digitalisierung kann dazu einen Beitrag leisten.
Digitalisierung erleichtert individuelle Betreuung
In den bestehenden Strukturen ist es organisatorisch schwierig sich mit den Schülerinnen und Schülern über ihre Befindlichkeiten und Lernprozesse auszutauschen. Dafür fehlen in den nicht zuletzt durch G8 vollgepackten Stundenplänen Zeitfenster, in denen sich Schüler und Lehrer zusammensetzen können.
Digitale Kommunikation kann den Austausch erleichtern, da die Digitalisierung einen zeitversetzten Austausch...

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