5. – 13. Schuljahr

Dominik Schöneberg | Carsten Roeger

Unterrichtsöffnung digital

Projektarbeit mit digitalen Werkzeugen fördern

Unterricht in der gymnasialen Oberstufe ist durch Standardisierung und notorische Zeitnot geprägt. Projektarbeit ermöglicht es Schülerinnen und Schülern dennoch, ihren individuellen philosophischen Interessen nachzugehen. Die passenden digitalen Werkzeuge können ihnen dabei helfen.

Projektunterricht ist eine Form des Unterrichtes, die im hohen Maße eine Öffnung und Differenzierung des Unterrichtes ermöglicht.1 Unter einem Projekt wird hier ein Vorhaben verstanden, das von den Schülerinnen und Schülern selbstständig über ein in einer gegebenen Zeit zu erreichendes Ziel definiert wird. Bevor ein Ziel definiert werden kann, muss allerdings zunächst eine eigene Idee gefunden werden. Ausgehend von diesem Ziel, planen die Schüler ihre Arbeitsschritte selbstständig und strukturiert. Schließlich soll das Projektziel ein Produkt umfassen, das präsentiert und diskutiert werden kann. Da bei der Projektarbeit der Lernprozess wesentlich ist, sollte dieser dokumentiert und reflektiert werden.
Zweck von Projektarbeit im Philosophie-Unterricht soll es sein, einen individuellen Zugang zu einem philosophischen Problem zu erproben und die eigene philosophische Perspektive auf die Welt individuell auszudrücken. Den Sinn philosophischer Projektarbeit sehen wir darin, dass philosophische Konzeptionen quasi den innerphilosophischen Diskurs im Elfenbeinturm verlassen und
  • als Analyse-Instrument der Lebenswelt dienen, um diese besser zu verstehen, um
  • die Tauglichkeit der Konzeptionen selbst zu prüfen und
  • sich mit Hilfe der philosophischen Konzeptionen in ein reflektiertes Selbst-Welt-Verhältnis zu setzen.
Während Philosophieren in der Regel diskursiv erfolgt, sind hier, im Sinne eines ganzheitlichen Begriffs philosophischer Bildung, auch präsentative Formen möglich.2 Ergebnisse der Projektarbeit können also nicht nur klassische argumentative, begriffsanalytische Essays sein, sondern auch die Produktion von Bildern, Liedern, Gedichten, Kurzgeschichten oder Filmen.3
Ein Vorbehalt gegen Projektarbeit in der Oberstufe ist oft der hohe Zeitaufwand schließlich müssen vorgegebene Lehrplanziele eingehalten oder umfangreiche Klausurvorbereitungen gewährleistet werden. Genau bei diesem Problem setzt die Projektarbeit als differenzierende Unterrichtsöffnung an: Während Klausurschreiber sich unter Anleitung der Lehrerin oder des Lehrers mit Hilfe eines Readers oder des Buches auf die Klausur vorbereiten, können sich andere Schülerinnen und Schüler einer deutlich freieren Projektarbeit widmen.
Gelingende Projektarbeit und die zielorientierte Vorbereitung auf standardisierte Leistungsüberprüfung haben dabei eine gemeinsame Basis: Unserer Erfahrung nach verbessert sich die Qualität der Projektarbeit im Hinblick auf interessante Ideen, strukturierte Planung und kreative Produkte , wenn zuvor ein fachlich fundiertes Verständnis des philosophischen Problems gewährleistet wurde, was auch für die Klausurschreiber relevant ist. Eine fachliche Basis sollte also als Fundamentum mit dem ganzen Kurs erarbeitet werden. Darauf aufbauend, können nun die Schülerinnen und Schüler entweder in einer offenen Projektarbeit ihr Wissen im Rahmen von Projektunterricht selbstständig anwenden oder mit Hilfe eines Readers systematisch vertiefen (s. Kasten).
Mögliche Einheit: Fundamentum und Additum
Mögliche Einheit: Fundamentum und Additum
Fundamentum (ca. 2 Doppelstunden):
Zweifelsgang und erste Gewissheit
René Descartes: Erste und Zweite Meditation. In ders.: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Hg. v. H. Gäbe. Hamburg: Meiner 1976, S. 15 – 25.
Additum (ca. 4 Doppelstunden):
Projektarbeit / Reader-Arbeit
Reader
Kritik an der ersten und zweiten Meditation
Pierre Gassend: Fünfte Einwände. Pierre Gassend an den berühmten Herrn René Descartes. In: René Descartes: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie mit den...

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