5. – 6. Schuljahr

Patrick Baum

Itʼs a Small World After AllVernetzung spürbar machen und in ihren Grenzen bedenken

Irgendwie ist jeder mit jedem vernetzt, auch wenn die verbindenden Fäden nicht sichtbar sind. Dieser Intuition gehen die Schülerinnen und Schüler auf den Grund, indem sie nicht nur ein sichtbares Netz knüpfen und sich dabei besser kennenlernen, sondern sie machen Beziehungsgeflechte sichtbar, die ihren Nahbereich durchziehen. Von dort ist der Schritt nicht weit zu einer Reflexion von Vernetzung unter den Bedingungen einer digitaliisierten Welt.

Der Begriff des digital native bezeichnet Kinder und Jugendliche, die in einer von der Digitalisierung bestimmten Lebenswelt aufwachsen; in der Verwendung des Begriffs schwingt in der Regel der Gedanke mit, dass mit dieser Nativität auch eine besondere digitale Expertise einhergehe, die den digital immigrants namentlich den Eltern und Lehrern fehle. Diese ›natürliche‹ Kompetenz der digital natives ist nachhaltig in Zweifel gezogen worden, man spricht unterdessen gar vom Mythos des digital native (so etwa Kai-Uwe Hugger auf der Tagung »Diggi 17« am Zentrum für Lehrerbildung der Universität Köln). Dessen ungeachtet, kann man aber sicher sagen, dass unsere jüngeren Schülerinnen und Schüler mit einem unverkrampften Verhältnis zu den social media aufwachsen und diese recht unbekümmert nutzen (obwohl die Nutzungsbedingungen mancher Netzwerke Jugendliche unter 14 Jahren dezidiert ausschließen). Sie sind bei »Insta« (gemeint ist das bilderzentrierte, zu Facebook gehörige Instagramm), benutzen Snapchat oder Whatsapp und teilen Playlists auf Spotify. Auf allen diesen Kanälen vernetzen sie sich und gewinnen neue »Freunde«.
Vernetzung als Thema des Ethik- und Philosophieunterrichts
Da Vernetzung dieser Art ein so selbstverständlicher Teil der Lebenswelt unserer jüngeren Schüler ist, verdient sie, im Ethik- oder Philosophieunterricht auch schon der unteren Klassen thematisiert zu werden. In Nordrhein-Westfalen etwa ist im Fach Praktische Philosophie ausdrücklich vorgesehen, dass die Schülerinnen und Schüler ihren Umgang mit Medien im Rahmen des Themenkomplexes »Medienwelten« (und das kann ja heute sinnvoller Weise nur bedeuten: social media-Welten) beschreiben und bewerten (!). Gerade Vernetzung ist aber in ihrer quasi unsichtbaren Ubiquität gar nicht so leicht zu fassen. Im Folgenden will ich einen Vorschlag machen, wie man Vernetzung ganz ohne digitale Geräte! im Rahmen von zwei bis drei Unterrichtsstunden als Einstieg in eine Reihe über »Medienwelten« gewissermaßen ›spürbar‹ machen kann, um sie einerseits in ihrer Leistungsfähigkeit, aber auch in ihren Grenzen, bedenken zu können.
Als Grundlage dient dabei das von dem Sozialpsychologen Stanley Milgram in den 1960er-Jahren durchgeführte Kleine-Welt-Experiment (s. Kasten).
Das »Kleine-Welt-Experiment«
Das »Kleine-Welt-Experiment«
Das im Jahr 1967 von dem US-Psychologen Stanley Milgram durchgeführte Experiment sah vor, dass 60 zufällig ausgewählte Personen ein Paket an denselben, ihnen unbekannten Empfänger weiterleiten sollten. Sie durften es aber nur an Personen schicken, die sie persönlich kannten, das heißt mit dem Vornamen ansprachen. Bei der Auswertung der Postwege der erfolgreich zugestellten Pakete nur wenige erreichten ihr Ziel ergab sich eine am Szenario gemessen erstaunlich kurze Kontakt-Kette von rund sechs Personen. Aufgrund der relativ kleinen Datenlage gilt das Experiment als umstritten.
[Die Darstellung folgt folgender Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kleine-Welt-Phänomen; Abrufdatum: 4.1.2018]
In jüngerer Zeit hat es Untersuchungen auf der Basis von Instant Messengern (wie WhatsApp oder Telegram)1 gegeben, die Milgrams Ergebnisse auf einer breiten Basis bestätigen. Das Ergebnis dieses Experiments (small world phenomenon) hat sich als urbane Legende unter der Bezeichnung six degrees of separation verselbständigt: Demnach seien alle Menschen auf der Welt über höchstens...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen