7. – 7. Schuljahr

Anita Rösch

Sprechen Sie Emoji?

Möglichkeiten und Grenzen des Gefühlsausdrucks mit Emojis

Einige Spielarten digitaler Kommunikation sind beinahe so unmittelbar wie das analoge Gespräch, aber schriftlich. Allerdings gibt es über das Geschriebene hinaus Möglichkeiten, nonverbale Elemente zu ergänzen, und zwar in Gestalt von Emoticons und Emojis. Doch taugen die auch zum Ausdruck individueller Befindlichkeiten, oder liegt ihre Funktion woanders? Die Unterrichtsidee gibt Anlass zur Reflexion eigener Kommunikationsgewohnheiten.

Soziale Interaktion verlagert sich immer mehr von einer Face-to-face-Kommunikation zu medial vermittelter Kommunikation. Im mündlichen, von Angesicht zu Angesicht stattfindenden Dialog stehen uns neben Worten nonverbale Elemente wie Mimik, Gestik und Tonfall zur Verfügung, um uns auszudrücken, Emotionen zu artikulieren, unsere Einstellungen kundzutun und unsere Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. In der schriftlichen Kommunikation, im Deutschen basierend auf 26 Buchstaben, fehlen diese Möglichkeiten. Emoticons und Emojis versuchen, die Lücke zu füllen.
Die Welt der Emoticons und Emojis
Der Informatiker Scott Fahlman gilt als Erfinder des ersten digitalen Emoticons. Im Rahmen wissenschaftlicher Kommunikation schlug er 1982 den :-) als Zeichen für nicht ganz ernst gemeinte Bemerkungen in einem Online-Forum der Carnegie Mellon Universität vor.1 Schnell verbreitete sich das Zeichen auch außerhalb der Universität, und es wurden neue Zeichenkombinationen wie :-( und ;-) erfunden. Die Bezeichnung Emoticon setzt sich aus Emotion und Icon zusammen. Emoticons sollen Mimik und Gestik in digitaler Kommunikation ersetzen.2
Emojis erweitern das Emotions-Alphabet im Unterschied zu Emoticons erheblich. Emojis sind Ideogramme, das heißt Begriffszeichen oder Bildzeichen, die für ganze Wörter oder Begriffe stehen. Emojis sind im Unterschied zu Emoticons nicht auf Emotionen beschränkt, sondern zu ihnen zählen zum Beispiel auch Symbole für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel, Fahrzeuge, Hobbys oder Wetterlagen. Entstanden sind Emojis auf Betreiben des größten japanischen Mobilfunkanbieters NTT DoCoMo, als ihr Erfinder gilt der Japaner Shigetaka Kurita.3 Aufgrund ihrer geringen Größe als Schriftzeichen unterliegen Emojis nicht dem Urheberrecht, sodass schnell auch andere Mobilfunkanbieter Emojis in ihr Angebot übernahmen. Alle verfügbaren Emojis werden seit 2013 im englischsprachigen Onlinenachschlagewerk Emojipedia dokumentiert.
Verwendung und Verbreitung
Mit seinem Emojitracker4 misst der IT-Künstler Matthew Rosenberg die Nutzung von Emojis auf Twitter seit 2013 in Echtzeit. Das Tool präsentiert alle aktuell verfügbaren Emojis. Gerade gebrauchte Emojis leuchten grün auf. Am häufigsten weltweit werden von den Twitter-Nutzern verwendet. Durch Anklicken der Symbole erhält man Informationen über die offizielle Bezeichnung der Emojis. Das Tool liefert eine interessante Statistik und einen spannenden Blick hinter die Kulissen des sozialen Netzwerks Twitter und zeigt die massenhafte Verwendung der Emojis. wurde zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels seit Installation des Programms 2013 bereits mehr als 1,6 Milliarden Mal eingesetzt. Dieses Emoji wurde 2015 von der Oxford University Press zum Wort des Jahres gewählt. Als Begründung für die Entscheidung, ein Zeichen statt eines Wortes zu küren, führte die Jury die extrem angwachsene Verwendung von Emojis im Jahr 2015 an. Auf der Homepage der Oxford University Press heißt es: »Emojis are no longer the preserve of texting teens instead, they have been embraced as a nuanced form of expression, and one which can cross language barriers. [] Now that were all used to emojis being a shorthand method of communicating our thoughts, emotions, and responses.«5
Wie konnte es zu dieser massenhaften Verwendung von Emojis innerhalb weniger Jahre kommen? Hinter der Verwendung der Emojis steht Unicode, die universelle Computersprache, auf die sich...

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