8. – 13. Schuljahr

Anita Rösch

Respekt!

Was Respekt eigentlich bedeutet und wozu wir ihn brauchen

Welche Bedeutung hat der Satz »Ich habe Respekt vor dir«? Anerkennung? Angst? Grundsätzliche Akzeptanz des Gegenübers? Respekt wird im allgemeinen Sprachgebrauch vielfältig verwendet und verstanden. In dieser Einheit diskutieren die Schülerinnen und Schüler verschiedene Gründe, jemandem Respekt entgegenzubringen. Sie differenzieren zwischen grundlegender Gleichwertigkeit sowie Wertschätzung aufgrund von Leistung und diskutieren die gesellschaftliche Funktion vom respektvollen Umgang miteinander.

Fragt man Personen verschiedenen Alters und differierender Herkunft danach, was sie unter Respekt verstehen, fallen die Antworten sehr unterschiedlich aus: Meine über 80-jährigen Eltern beispielsweise sind davon überzeugt, meine Studenten müssten mir Respekt zollen, da ich älter bin und in der Hierarchie höher stehe als die Studierenden. Meine Studenten haben ein ganz anderes Bild. Sie sind der Meinung, Dozenten müssten sich Respekt verdienen. Ich habe ihren Respekt, wenn ich aus ihrer Sicht gute Veranstaltungen durchführe, sie mich als fachlich kompetent wahrnehmen, sie sich von mir auch menschlich wertgeschätzt und gut betreut fühlen und die Notengebung als fair empfinden. Studierende mit vorwiegend muslimischem Migrationshintergrund berichten, dass in ihren Kulturen Respekt gegenüber Älteren selbstverständlich ist. Auch Lehrkräften wird in ihrem Kulturkreis ein besonderer Respekt entgegengebracht, weshalb sie als Lehramtsstudenten in ihren Familien hohe Wertschätzung erfahren. Sie teilen aber die Einstellung ihrer Kommilitonen zum Respekt in der Universität und erwarten eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen Lehrenden und Lernenden. Studierende mit Zweitfach Sport ergänzen, dass sie Respekt vor sportlichen Gegnern haben, auch oder gerade, wenn diese sie faire Mittel vorausgesetzt geschlagen haben.
Analysiert man die einzelnen Angaben, fällt auf, dass der Begriff des Respekts in verschiedenen Generationen und Kulturen unterschiedlich konnotiert und einem Bedeutungswandel unterzogen ist. Die unterschiedlichen Konnotationen entsprechen der Definition des Duden: »Respekt: 1. auf Anerkennung, Bewunderung beruhende Achtung, 2. vor jemandem aufgrund seiner höheren, übergeordneten Stellung empfundene Scheu, die sich in dem Bemühen äußert, kein Missfallen zu erregen.«1
Zwei Arten von Respekt
Betrachtet man die Aussagen der Befragten genauer, so fällt jedoch auf, dass der Begriff des Respekts unscharf ist und es Überschneidungen mit anderen Begriffen gibt. Der Psychologe und Respektforscher Niels Van Quaquebeke konstatiert: »Respekt ist psychologisch betrachtet zunächst einmal eine wertschätzende Einstellung zwischen einem Subjekt und einem Objekt. [] [Er] kann entsprechend unterschiedlichste Dinge benennen: Wenn Lehrer oder Eltern von Respekt sprechen, dann meinen sie oftmals eher Gehorsam, wollen es aber nicht so nennen, weil ihnen das zu preußisch klingt. Wenn jemand andererseits sagt, er habe Respekt vor einem Kampfhund, dann meint er wahrscheinlich Angst. Auch hier klingt Respekt erst mal besser, weil er den Sprecher nicht als Angsthasen dastehen lässt. Und wenn ältere Menschen Respekt einfordern, dann meinen sie zumeist Rücksichtnahme oder Höflichkeit.«2
Die Respektforschung unterscheidet zwischen horizontalem und vertikalem Respekt. Horizontaler Respekt bedeutet Begegnung auf Augenhöhe und bedingungslose Wertschätzung. Der andere wird als Mensch respektiert, ungeachtet von Alter, Herkunft oder sozialer Stellung. Van Quaquebeke vergleicht diese Form von Respekt mit dem kantischen Begriff der Achtung. Martin Seel nennt ihn in einem Zusammenhang mit Würde und Menschenwürde.3 Respektiert werden kann in diesem Kontext auch, was nicht gemocht wird oder womit man nicht einverstanden ist, wie z.B. die Meinung Andersdenkender.4 Respekt, von der 68er Generation noch als verstaubt und obrigkeitshörig verworfen, erlebt...

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