10. – 13. Schuljahr

Michael Segets

Was ist ein Held?

Der Held als Tugendmodell zwischen Vorbild und Instrumentalisierung

Wonder Woman, Batman oder vielleicht doch der Paketbote, der sich trotz ausgeprägter Hundephobie täglich am heimischen Waldi vorbei traut, um pünktlich die lang ersehnte Bestellung abzuliefern? In diesem Unterrichtsvorschlag diskutieren die Schülerinnen und Schüler, was eigentlich einen Helden ausmacht, klären in dem Zusammenhang, was tugendhaftes Handeln ist, und wie der Begriff des Helden gegebenenfalls instrumentalisiert werden kann.

Ein Held überwindet Widerstände oder Gefahren und vollbringt unter Aufbietung aller seiner Kräfte eine außergewöhnliche Tat. Aber nicht jede außergewöhnliche Tat ist heldenhaft. Sie muss moralisch motiviert sein. Die konsequente, handelnde Verwirklichung seiner Tugenden ermöglicht es dem Helden, seine heroische Tat zu vollbringen. Die tugendhafte Haltung sowie die außerordentliche Handlung bedürfen zudem der Anerkennung von anderen, damit ein Heldenstatus zuerkannt wird. Denn ein Held gilt erst als solcher, wenn sein Charakter sowie die quasi übermenschliche Handlung auch als heroische kommuniziert werden. Von Seiten der Nicht-Helden beziehungsweise der Öffentlichkeit wird nicht nur die Tat, sondern auch das Tugendmodell, das der Held vertritt, besonders gewürdigt. Dabei stehen weniger die intellektuellen Tugenden, sondern vielmehr die Charaktertugenden der Helden wie Tapferkeit und Gerechtigkeit, die sie in ihren Handlungen zeigen, im Vordergrund.
Die drei Merkmale des Heldentums
Von einem Helden in vollem Begriffsumfang kann daher erst gesprochen werden, wenn
  • er einen tugendhaften Charakter hat,
  • aufgrund dessen er überragende Leistungen vollbringt
  • sowie von anderen als Held angesehen wird.
Sobald eines dieser drei Kriterien nicht erfüllt ist, trifft die Bezeichnung nicht vollständig. Dadurch, dass sich der Charakter, die inneren Antriebe, Motive oder Absichten des Handelnden der direkten Erkennbarkeit entziehen, entsteht eine Unsicherheit bei der Klassifizierung. So erscheint es denkbar, dass jemand lediglich als Held angesehen wird, ohne ein solcher kraft seines tugendhaften Charakters oder seiner Taten zu sein. Andererseits ist es möglich, dass jemand einen tugendhaften Charakter hat und heroisch handelt, jedoch nicht als Held wahrgenommen oder kommuniziert wird.
Helden als tugendhafte Vorbilder
Mit der Mythologisierung eines Helden geht nicht nur eine Überhöhung der Person und eventuell seiner Tat einher, sondern auch die der Tugenden, die der Held repräsentiert. Helden werden bewundert oder dienen gar als moralisches Vorbild. Die Orientierung an Vorbildern wird in tugendethischen Ansätzen als ein Mittel verstanden, um die Entwicklung der eigenen Tugendhaftigkeit zu fördern. Zu beachten ist dabei, dass ein Held eine medial vermittelte und inszenierte »ideologische Figur«1 ist. die für »politische, propagandistische oder ähnliche Zwecke«2 instrumentalisiert werden kann. Tugend ist auf die kritische Reflexion, auch von Vorbildern, angewiesen.
Zum Unterrichtsverlauf
Intuitive Begriffsannäherung
Zum Einstieg in das Unterrichtsvorhaben sammelt die Lerngruppe Personen, die sie als Helden ansieht (M1 ). Wahrscheinlich nennen die Schülerinnen und Schüler ganz unterschiedliche Personen oder Figuren. Die Spannweite reicht eventuell von
  • a) lebenden Personen, über
  • b) historische Personen und
  • c) fiktive aber real mögliche Helden aus Literatur und Film bis hin zu
  • d) mythologischen oder fantastischen Superhelden.
Die Antworten der Lerngruppe können anhand dieser vier Kategorien in eine »Fiktionalitätsskala«3 eingeordnet werden, um zu einer ersten Differenzierung des Heldenbegriffs zu gelangen.
Die Schülerinnen und Schüler beantworten nun die Frage, ob und welche Helden für sie Vorbilder sind. Die Begründung, warum Helden Vorbilder sein können und welche Aspekte sie gegebenenfalls zu solchen machen, leitet zu definitorischen Elementen des Begriffs...

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